Lawinenwarndienst Steiermark

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Analyse des Föhnsturms – Korrektur

Erstellt am 6. März 2017

In der letzten Ausschreibung über den Föhnsturm am Samstag dem 4. März 2017 ist uns ein Fehler unterlaufen. Die Windwerte der Station Eismauer am Hoschwab wurden übersehen. Hier wurden am Samstag gegen 17 Uhr die stärksten Windböen in der Steiermark gemessen und nicht am Hochzinödl. Der Spitzenwert betrug 180 km/h!

Meteorologische Messwerte der Station Eismauer der letzten Woche. Die maximalen Windböenwerte der Steiermark vom 4.3. betrugen um 180 km/h. Quelle: LWD

Analyse des Föhnsturms

Erstellt am 5. März 2017

Am Samstag, 4. März 2017, ist ein Föhnsturm über Österreich gezogen. Entgegen der Wetterprognose hat der starke Wind nicht so weit in die Täler durchgegriffen und später als erwartet, erst am Nachmittag, orkanartige Spitzen erreicht.

Gegen 20 Uhr wurde am Hochzinödl die stärkste Böe in der Steiermark mit 166 km/h gemessen. Quelle: LWD

Allerdings hat der Wind auf den Gipfeln orkanartig geweht und für neue Triebschneeansammlungen und Wechten gesorgt. An 11 Windmessstationen des Lawinenwarndienstes wurden Windböen über 100 km/h gemessen!

Links die Liste der Windmessstationen des Lawinenwarndienstes mit Windböen über 100 km/h. Rechts eine Situation im extrem böigen Wind mit Schneeverfrachtungen. Quelle: LWD

Blick in den Schnee in den Mürzsteger Alpen

Erstellt am 24. Februar 2017

Gemeinsam mit unserem Wetter- und Lawinenmelder Kain Hermann und seinem Sohn Florian machte der LWD eine Schneeerkundung auf die Hohe Veitsch. Am frühen Vormittag gestaltete sich die Schneeoberfläche noch durchwegs vereist und harschig, allerdings wurde sie durch die Sonneneinstrahlung in den Südseiten recht schnell weich. Der Niederschlag am Dienstag fiel bis zirka 1600m Seehöhe als Regen, was sich im südseitigen Aufstiegsbereich auch durch eine hohe Dichte von heruntergerollten Nassschneeknollen zeigte. Die oberste Schneeschicht hatte bis zum Graf-Meran-Haus auf 1836m Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt, was eine Anfeuchtung der Schneedecke signalisierte.

Durch die Anfeuchtung der Schneedecken kommt es vermehrt zu Nassschneeknollen aus dem steilen Gelände. Quelle: LWD

Im Gipfelplateaubereich blieb die Schneeoberfläche bis in den frühen Nachmittag hart, vorauf sich frischer Triebschnee ablagerte. Das Schneeprofil (siehe LINK) zeigte ein kompaktes Schneefundament, auf dem sich der Triebschnee der letzten Tage abgelagert hatte. Zwischen diesen Schichten von Triebschnee wurde eingeschneiter Oberflächenreif als Schwachschicht ausgemacht. An der Schneeoberfläche hatte sich der verfrachtete Schnee durch den Wärmeeintrag zum Teil abgebaut und darüber eine dünne Schmelzkruste gebildet.

Harschkruste über den Triebschneeschichten, je nach Exposition und Höhenlage tragfähig oder brüchig. Quelle: Kain Florian

Die tiefen Temperaturen am Wochenende werden den Anfeuchtungsprozess innerhalb der Schneedecke stoppen und eine sehr harte und eisige Schneeoberfläche bewirken. Oberhalb der Baumgrenze werden sich durch starken West- bis Nordwestwind und etwas Neuschnee neuerlich störanfällige Triebschneeablagerungen bilden, die sich nur schlecht mit der harten Oberfläche der Altschneedecke verbinden werden.

Der stürmische Wind in den Gipfelbereichen führt zu frischem störanfälligem Triebschnee. Quelle: Kain Florian


Warmfrontdurchgang bestimmte den Start der Energieferien mit turbulentem Wetter

Erstellt am 22. Februar 2017

Die Energieferien sind bislang von turbulentem Wetter gekennzeichnet, auch bis zum Wochenende bleibt der wechselhafte Charakter voraussichtlich bestehen.

Der Warmfrontdurchgang zu Wochenbeginn brachte speziell in den Nordalpen viel Niederschlag. Im Raum Bad Aussee wurden bspw. ca. 50mm Niederschlag registriert, auch im Hochschwabgebiet fielen in Summe bis zu 60mm. Die Schneefallgrenze stieg in manchen Bereichen kurzeitig auf ca. 2000m an. Dazu wehte auf den Bergen anhaltend stürmischer NW-Wind.

Viel Niederschlag im Nordstau. An der Station Bärnbachsattrl der MA31 im Hochschwabgebiet fielen in 1300m von Dienstag auf Mittwoch 60mm als Regen was der Schneedecken sichtbar zusetzte. Nur in hohen Lagen, wie bspw. am Dachstein, kam einiges an Neuschnee dazu, der mit dem stürmischen Wind auch massiv verfrachtet wurde. Quelle: LWD

Der Regen und der Neuschnee bei starkem Wind haben sich negativ auf die Lawinenverhältnisse ausgewirkt: Die Gefahr von spontanen Nassschneelawinen ist in regenreichen Gebieten angestiegen. Sowohl in Form von spontanen Lockerschneelawinen (aus steilem Gelände) als auch von spontanen Schneebrettern (nasser Schnee, steigende Temperaturen), die mit der Altschneedecke schlecht verbunden sind.

Zudem besteht in höheren Lagen, wo der Schnee bei stürmischem Wind gefallen ist, ein Triebschneeproblem, wobei die Gefahrenstellen mit zunehmender Höhe ansteigen.

Nur in hohen Lagen fiel der Niederschlag als Schnee, der Hotspot lag laut SNOWGRIDanalyse im Toten Gebirge. Die Schneehöhen können aufgrund der tatsächlich sehr hoch gelegenen Schneefallgrenze etwas von der Realität abweichen. Quelle: ZAMG
 

Bei derartigen Warmfrontdurchgängen ist die Prognose der Schneefallgrenze natürlich essentiell, oft verhält sie sich aber in der Realität anders als in den Vorhersagen. Auch im Rahmen dieses Ereignisses hat es deutlich weiter hinauf geregnet als vorhergesagt, womit der Schnee bis in hohe Lagen feucht fiel und für eine derzeit unangenehme Beschaffenheit für Wintersportler sorgt.

Der weitere Ausblick: Morgen Donnerstag wird es mit einer föhnigen SW-Strömung sehr mild mit deutlichen Plusgraden in 2000m, der Föhn wird auf den Bergen durchaus stark bis stürmisch. Mit der immer wieder durchkommenden Sonne steht die Nassschneeproblematik im Vordergrund, das Triebschneeproblem verschiebt sich weiter nach oben.

Am Freitag bringt eine Kaltfront einen abrupten Wetterumschwung mit  NW-Sturm, Temperatursturz und etwas Neuschnee. Das Triebschneeproblem wird in Regionen mit Neuschnee vorherrschend, die Nassschneeproblematik schwächt sich ab.         

Zum Wochenende wird es kurzzeitig wieder winterlich, in Regionen mit Neuschnee wird das Triebschneeproblem wieder zulegen. Quelle: ZAMG
Spuren der Witterung im Dachsteingebiet. Regeneintrag, kleine spontane Lockerschneerutsche, Anrisse älterer spontaner Schneebretter und vom NW-Wind geformte Wechten, die mit der Erwärmung instabil werden können. Quelle: Podesser

 

 

 

Gefahrenstufe 1 – „Geringe Lawinengefahr“: wie ist das zu verstehen?

Erstellt am 12. Februar 2017

Immer wieder werden wir gefragt, warum es auch bei Gefahrenstufe 1, also bei geringer Lawinengefahr, zu Lawinenunfällen kommt.

Grundsätzlich ist es so, dass die im Lawinenprognosebericht ausgegebene Gefahrenstufe für größere Gebirgsregionen gilt, also für alpine Gebiete mit einer Größe von zumindest hundert Quadratkilometern. Für die Beurteilung eines Einzelhanges sagt die Gefahrenstufe daher nichts aus. So bedeutet die Gefahrenstufe 1, dass beispielsweise in einem Gebiet von der Größe eines Gebirgszuges statistisch gesehen ca. 5% der Steilhänge schwach verfestigt sind.

Anteil der Gefahrenstellen, an denen die Schneedecke schwach bzw. gut verfestigt ist. Das Beispiel für Gefahrenstufe 1 zeigt schematisch, dass statistisch gesehen nur an ca. 5%  aller Steilhänge die Schneedecke schwach verfestigt ist. Es herrschen zwar mehrheitlich günstige Bedingungen, allerdings könnten an einigen wenigen Stellen im extremen Steilgelände trotzdem Lawinen bei vorwiegend großer Zusatzbelastung ausgelöst werden.    

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