Lawinenwarndienst Steiermark

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In den nächsten Tagen tiefwinterliche Verhältnisse!

Erstellt am 3. Jänner 2017

Auf den Bergen der Obersteiermark ist das seit 29. Dezember anhaltende Hochdruckwetter mit viel Sonne und wenig Wind nun zu Ende gegangen. Bereits heute Nacht hat eine schwache Kaltfront entlang der Nordalpen für etwas Neuschnee gesorgt. Ab morgen bleibt der gesamte Ostalpenraum in einer straffen Nordwestströmung, eingelagerte Fronten bringen vor allem den Nordstaugebieten immer wieder Neuschnee. Dazu weht stürmischer Nordwestwind, die Temperaturen sinken in 2.000m vorübergehend auf unter -20 Grad. Nur vorübergehend werden die Wolken kurz auflockern. Damit wird sich in den genannten Gebieten auch die Lawinengefahr verschärfen, es ist in allen Expositionen mit frischem Triebschnee zu rechnen, welcher durch den Sturm bis unter die Waldgrenze reichen kann! Mit diesen tiefwinterlichen Verhältnissen ist bis über das kommende Wochenende hinaus zu rechnen!

Prognostizierte Niederschlagshöhen in Österreich bis Montag, 09.01.2017

Unfall am Krahbergzinken

Erstellt am 1. Jänner 2017

Am Krahbergzinken, südöstlich der Planai, kam am Silvestertag kurz vor Mittag eine Person bei einem Lawinenunfall ums Leben. Der Unfall ereignete sich in einer extrem steilen Rinne, die vom Gipfel des Krahbergzinken nördlich Richtung Mitterhausalm führt. Der Verunfallte fuhr direkt vom Gipfel in die Rinne ein und löste wahrscheinlich bereits beim zweiten Schwung an einer schneearmen Stelle ein etwa 20 m breites Schneebrett aus, das ihn in Folge 200 Meter mit in die Tiefe riss.

 

Einfahrtsspur und Anriss im oberen Teil der Nordrinne des Krahbergzinken  (Quelle: LWD Steiermark).

 

Blick von oben in die etwa 45° steile Rinne (Quelle: LWD Steiermark).

 

Im Zuge der Unfallerhebung durch die Alpinpolizei und den Lawinenwarndienst wurde die Schneedecke vor Ort untersucht. Der Schneedeckenaufbau war äußerst instabil: Unter einer Regenkruste in der Schneedecke fand sich eine Abfolge von sehr weichen kantigen Kristallen und weiteren Krusten. Das detaillierte Schneeprofil ist im LAWIS-System des LWD Steiermark zu finden (https://lawis.at/profiles/snowprofile_5087.png).

 

Anriss der Schneebrettlawine: Unter der bereits in aufbauender Umwandlung befindlichen alten Triebschneeschicht und einer Kruste befinden sich einige sehr störanfällige Schwachschichten aus kantigen Kristallen und Schwimmschnee (Quelle: LWD Steiermark).

 

Es handelt sich also um ein typisches Altschneeproblem, wie es derzeit in extrem steilen, schattigen und mit altem Triebschnee beladenen Rinnen der Hochlagen vorkommt. Derartige Gefahrenstellen sind wegen der dürftigen Schneelage eher selten und auf die schattigen Hochlagen beschränkt, können aber, wie auch dieser Unfall zeigt, schon bei geringer Zusatzbelastung zu Schneebrettlawinen führen.

Skitourengeher sollten derzeit in den Hochlagen schattige (nordseitige), mit altem Triebschnee gefüllte Geländeformen meiden. Das Altschneeproblem ist oberflächlich nicht direkt zu erkennen. Ein kurzer Blick in die Schneedecke zeigt dem ein wenig geübten Auge die Gefahr aber sehr deutlich an.  


Vom Triebschnee- ins Altschneeproblem

Erstellt am 30. Dezember 2016

Die letzten Tage des Jahres brachten im Nordstaugebiet endlich den lang ersehnten Schnee, der aber bei stürmischem Nordwind fiel. Abgeblasene und teilweise vereiste Stellen sowie mit viel Triebschnee beladene Bereiche wechseln daher auf engem Raum.

 

Schneeverhältnisse auf der Planneralm. (Foto: LWD)

 

Südlich des Alpenhauptkammes fiel dagegen kaum Schnee. Am meisten bekamen noch die Seckauer Tauern, wo aber nach wie vor die schneefreien Bereiche dominieren.

 

Überblick über die Schneeverhältnisse in den Seckauer Tauern. Blick vom Rosenkogel Richtung Osten (Ringkogel, Pletzen). (Foto: Martin Edlinger)

 

Am Freitag, wenige Tage nach dem Schneefall, zeigte ein Blick in die Schneedecke, dass sich der Triebschnee sonnseitig weitgehend gesetzt hat. Trotz Graupeleinlagerungen ist die Schneedecke südseitig kaum störanfällig.

 

Südseitig sind am Großen Rotbühel bestenfalls unregelmäßige Brüche in der Schneedecke zu erzeugen, was sonnseitig für relativ stabile Verhältnisse spricht. (Foto: LWD)

 

Schattseitig sieht die Situation anders aus: Unter einer Schmelzharschkruste schwächen kantige Kristalle und Schwimmschnee das Schneedeckenfundament. Je nach Festigkeit der Harschkruste und des darüber liegenden Schneepaketes kann diese Schwachschicht mehr oder weniger leicht gestört werden und zu Schneebrettlawinen führen. Das somit entstandene Altschneeproblem tritt also vorwiegend nordseitig auf und ist oberflächlich auch für geübte Skitourengeher nicht zu erkennen!

 

Leicht auszulösender Bruch unterhalb einer Harschkruste (Gläserkoppe, 2020 m, nordostseitig). (Foto: LWD)

 

Unter der Harschkruste sind vielerorts kantige Kristalle beachtlicher Größe (und teils außergewöhnlicher Form, rechtes Bild) zu finden. Derartige Kristalle sind typisch für Schwachschichten in der Schneedecke. (Foto: LWD)

Stationsreparatur Niederalpl/Wetterin

Erstellt am 29. Dezember 2016

Am Mittwoch, dem 28.12.2016 galt es am Stationsnetz des Lawinenwarndienstes Steiermark Reparaturen durchzuführen. Immer wieder auftretende Übertragungsfehler machten sowohl am Schneepegelstandort Niederalpl als auch auf der Wetterin einen Tausch der DFM-433-Funkgeräte nötig, um eine lückenlose Übermittlung der aufgezeichneten Wetterdaten gewährleisten zu können.

Schneepegel am Niederalpl. (Foto: LWD)

 

Der überaus stürmische Wind hinterließ auch in der Schneeverteilung seine Spuren, ausgesetzte Bereiche wurden praktisch abgeblasen, hinter Geländekanten entstanden frische Triebschneelinsen. Aufgrund der nicht allzu tiefer Temperaturen war die Triebschneeauflage am Profilort nicht sehr spröde. Dennoch sollte in windbeeinflussten Hochlagen unbedingt auf frische Einfrachtungen geachtet werden. Sie sind aufgrund der derzeitigen Schönwetterphase im Gelände gut zu erkennen.

Der Wind als das schneedeckenprägende Element. (Foto: LWD)

 

Nach erfolgreicher Instandsetzung der Station "riskierten" wir noch einen kurzen Blick in die Schneedecke: Die Altschneedecke wies eine Abfolge von Krusten mit etwas angefeuchtetem Fundament auf. Besonders beeindruckend war die sehr gut zu erkennende Graupel-Einlagerung innerhalb der frischen Neu- bzw. Triebschneeauflage des letzten Niederschlagsereignisses. Viele unserer Melder berichteten uns von diesem Graupel (v.a. am Beginn der Schneefälle), womit diese Schicht flächenmäßig weit verbreitet ist.

Graupeleinlagerung innerhalb der frischen Auflage (diese Schicht könnte sich teilweise auch im unmittelbaren Übergang zum Altschnee gebildet haben). (Foto: LWD)

Warmfront sorgte für Sturm und Triebschnee!

Erstellt am 26. Dezember 2016

Am Christtag (25.12.) sorgte eine von NW durchziehende Warmfront vor allem in den Nordalpen sowie abgeschwächt in den nördlichen Niederen Tauern für Neuschnee. Am meisten Schnee bekamen die westlichen Nordalpen (Dachsteinregion, Totes Gebirge) und das Hochschwabgebiet in den östlichen Nordalpen, hier fielen sich in höheren Lagen um 30cm Neuschnee. Der Schneefall war auf den Bergen meist mit starkem bis stürmischem NW-Wind verbunden, was zu teils umfangreicher Verfrachtung und Triebschneebildung führte. Betroffen sind vor allem leeseitige (also speziell die Expositionen SW bis NO) Geländeformen wie Rinnen und Mulden, in denen sich der Triebschnee als gebundene Schneetafel auf einer gesetzten, harten Altschneeoberfläche ablagerte. Die Bindung zwischen dem Altschnee und der Triebschneeauflage ist aufgrund vorhandener kantiger, bindungsarmer Kristalle und mitunter entstandenem Reif an der Oberffläche ungünstig und kann leicht gestört werden. Zudem sind Schichten unterschiedlicher Härte innerhalb der Triebschneeauflage als potentielle Schwachschichten zu werten. Im windausgesetzten Gelände konnte sich zudem der Schnee hinter Geländekanten ablagern, Übergänge von wenig zu viel Schnee sollten beachtet werden! Mit der fortlaufenden Erwärmung konnte sich der Neuschnee bereits etwas setzten (siehe Pegel- und Temperaturverlauf), in mittleren und tiefen Lagen wurde bzw. wird er angefeuchtet.

Warmfrontdurchgang mit Neuschnee, stürmischem NW-Wind und Erwärmung, dokumentiert an der Station Grimming. Die Erwärmung macht sich auch am Schneepegel bemerkbar. Quelle: LWD
Überblick uber die Neuschneemengen vom 24.12. - 26.12. analysiert durch das Modell SNOWGRID . Quelle: ZAMG

Der heutige Stefanitag gestaltet sich sehr mild, es werden bis in 2000m Höhe Plusgrade erreicht. Vorerst fällt kaum Niederschlag, stellenweise kann sich sogar kurz die Sonne zeigen, jedoch bleibt uns der stürmische NM-Wind erhalten! Am Abend erreicht von Nordwesten eine Kaltfront die Steiermark, die für eine deutliche Abkühlung und etwas Neuschnee und frischen Triebschnee in den Nordstauregionen sorgt.

Weitere Aussicht: Wintereinbruch!

Der Dienstag verläuft allgemein kalt und stürmisch, frisch gebildeter Triebschnee muss speziell in den neuralgischen Geländeformen (Rinnen, Mulden) beachtet werden! Am Nachmittag beginnt es speziell in den Nordalpen wieder etwas zu schneien. Am Mittwoch zeichnen sich aus heutiger Sicht speziell in den Staugebieten der östlichen Nordalpen sowie in den westlichen Nordalpen teils massive Neuschneefälle bei anhaltend stürmischem Wind ab! Der Lawinenwarndienst wird morgen Dienstag im Rahmen des Prognoseberichts über die Verhältnisse informieren.


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