Lawinenwarndienst Steiermark

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Lawinenreichstes Wochenende der bisherigen Saison in der Steiermark

Erstellt am 13. March 2017

In der Steiermark gab es am Wochenende 2 Hot-Spots, an denen Lawinen von Tourengehern bzw. Freeridern ausgelöst wurden. Während in der Steiermark alle Unfälle weitgehend glimpflich verliefen, kamen auf kärntnerischer Seite eine Variantenskifahrerin und auf salzburgerischem Boden ein Skitourengeher bei Lawinenunfällen ums Leben.

Hot-Spot 1, Turrach

Der Samstag war von Lawinen auf der Turracher Höhe geprägt (Nockberge, Grenzgebiet Steiermark/Kärnten/Salzburg). Auf der kärntnerischen Seite starb eine Person bei einem Lawinenabgang am Kornock. Das Schneebrett, das man auf den folgenden Webcam-Zeitraffer-Zusammenschnitten aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln sieht, war zirka 150m breit und 200m lang.

Bilderserie: Unverspurter Hang am Morgen, erste Spur, mehrere Spuren, Schneebrettabgang, Rettungskette. Quelle: foto-webcam.eu
Bilderserie: Derselbe Unfall aus einem anderen Blickwinkel, im linken oderen Bildbereich ist die Lawine zu erkennen. Quelle: foto-webcam.eu

 

Nur einige hundert Meter entfernt hat ein Tourengeher auf der Nordostseite des Rinsennocks (auf steirischer Seite) eine weitere Lawine ausgelöst. Auch er wurde mitgerissen und bis zur Hüfte teilverschüttet. Er blieb unverletzt und konnte sich selbst befreien.

Schneebrett vom Rinsennock mitsamt Einfahrtsbereich und Endlage des unverletzten Tourengehers. Foto: LWD
Links ist die Einfahrtsspur zu erkennen. In der rechten Abbildung sieht man den Grund für den überaus ungünstigen Schneedeckenaufbau: Kantige Formen und Schwimmschnee schwächen das Schneedeckenfundament in den Schatthängen. Ein stark ausgeprägtes Altschneeproblem! Fotos: LWD
Anrissbereich und mächtige Ablagerung. Fotos: LWD

 

Wiederum wenige hundert Meter entfernt (auf Salzburger Seite) hat ein Mann im Bereich des Königstuhl ostseitig eine kleine Lawine ausgelöst. Er wurde total verschüttet und konnte nur noch tot geborgen werden. Der Tourengeher war alleine unterwegs.

Ein kleines Schneebrett, in dem ein Tourengeher, der alleine unterwegs war, ums Leben kam. Foto: LWD

 

Zusammenfassung der grenzüberschreitenden Unfälle auf der Turrach

Alle drei Lawinenunfälle (2 mit Todesfolge) ereigneten sich in den sehr steilen Schattlagen (Nord- bis Ostexpositionen). In den südlichen Gebirgsgruppen ist in den Monaten Jänner und Februar wenig Niederschlag gefallen, sodass die Gesamtschneehöhe geringmächtig war. In den Hochlagen lagen die Temperaturen meist unter 0 Grad, weshalb die Schneedecke aufbauend umgewandelt wurde und sich kantige Formen sowie Schwimmschnee ausbildeten. Am Freitag, den 10.03.2017, fielen bei viel Wind 20 cm Neuschnee (Triebschneebildung!) auf diese ungebundene Altschneedecke. Die Verbindung dieser beiden Schichten war daher äußerst dürftig und das zusammenbrechende Schwimmschneefundament überaus instabil.

Bundesländerübergreifender Hot-Spot Turrach: Eingezeichnet sind Lawinen mit (rote Umrahmung) und ohne Personenbeteiligung (grün). Quelle: ÖK, BEV, LWD

 

Nach dem ersten Lawinenunglück (auf Kärntner Seite) liefen auch beim LWD Steiermark die Telefone heiß. Der Informationsfluss und die Zusammenarbeit zwischen LWD Kärnten, Lawinenkommission, Polizei und LWD Steiermark haben grenzüberschreitend reibungsfrei funktioniert.

 

Hot-Spot 2, Planneralm

Der zweite Lawinen-Hot-Spot lag auf der Planneralm, wo am Samstag (11.03.2017) von einem Freerider eine erste Lawine ausgelöst wurde, wobei niemand zu Schaden kam (rechte Lawine in der folgenden Abbildung). Tags darauf (Sonntag, 12.03.2017) ereignete sich am Plannereck ein weiterer Lawinenabgang (im Bild linkes Schneebrett). Die beiden Tourengeher, die von dieser Lawine mitgerissen wurden, waren mit Lawinen-Airbags ausgerüstet und konnten dadurch rasch von ihren Begleitern gefunden und ausgegraben werden. Die Lawinenausmaße und Anrisshöhen waren beachtlich.

Die beiden innerhalb von zwei Tagen ausgelösten Schneebretter auf der Planneralm (Plannereck). Foto: LWD

 

 

Einige hundert Meter entfernt (Richtung Brennkogel) war eine Gruppe mit 8 Personen im Aufstieg unter Einhaltung von Entlastungsabständen unterwegs, als sich ein weiteres Schneebrett löste. 3 Personen wurden von der Lawine erfasst und verschüttet. Mittels Oberflächensuche konnten alle 3 Verschütteten von den anderen Gruppenmitgliedern lokalisiert und ausgegraben werden. Auch sie bleiben unverletzt.

Weitere Schneebretter in 2er-Formation auf der Planneralm. Foto: LWD

 

Zusammenfassung Planneralm

Die Lawinenabgänge auf der Planneralm ereigneten sich in denselben Expositionen wie jene auf der Turrach. Der Schneedeckenaufbau ist in den Niederen Tauern (bzw. in den Nordalpen) jedoch ein völlig anderer, als jener auf der Turrach. Hier hat der Regen im Februar eine Kruste ausgebildet, auf der die Schneebretter abglitten. An der Oberfläche dieser Kruste befindet sich eingelagerter Reif als Schwachschicht (siehe Profil).

 

Unfallwochenende - Fazit

In der Steiermark wurden somit 4 Lawinen mit Personenbeteiligung registriert. 4 Personen wurden verschüttet, eine Person blieb oberflächlich liegen. Glück war bei allen Abgängen im Spiel, jedes Ereignis hätte aufgrund der Lawinengröße bzw. Geländeform auch sehr viel schlimmer enden können...


Analyse des Föhnsturms – Korrektur

Erstellt am 6. March 2017

In der letzten Ausschreibung über den Föhnsturm am Samstag dem 4. März 2017 ist uns ein Fehler unterlaufen. Die Windwerte der Station Eismauer am Hoschwab wurden übersehen. Hier wurden am Samstag gegen 17 Uhr die stärksten Windböen in der Steiermark gemessen und nicht am Hochzinödl. Der Spitzenwert betrug 180 km/h!

Meteorologische Messwerte der Station Eismauer der letzten Woche. Die maximalen Windböenwerte der Steiermark vom 4.3. betrugen um 180 km/h. Quelle: LWD

Analyse des Föhnsturms

Erstellt am 5. March 2017

Am Samstag, 4. März 2017, ist ein Föhnsturm über Österreich gezogen. Entgegen der Wetterprognose hat der starke Wind nicht so weit in die Täler durchgegriffen und später als erwartet, erst am Nachmittag, orkanartige Spitzen erreicht.

Gegen 20 Uhr wurde am Hochzinödl die stärkste Böe in der Steiermark mit 166 km/h gemessen. Quelle: LWD

Allerdings hat der Wind auf den Gipfeln orkanartig geweht und für neue Triebschneeansammlungen und Wechten gesorgt. An 11 Windmessstationen des Lawinenwarndienstes wurden Windböen über 100 km/h gemessen!

Links die Liste der Windmessstationen des Lawinenwarndienstes mit Windböen über 100 km/h. Rechts eine Situation im extrem böigen Wind mit Schneeverfrachtungen. Quelle: LWD

Blick in den Schnee in den Mürzsteger Alpen

Erstellt am 24. February 2017

Gemeinsam mit unserem Wetter- und Lawinenmelder Kain Hermann und seinem Sohn Florian machte der LWD eine Schneeerkundung auf die Hohe Veitsch. Am frühen Vormittag gestaltete sich die Schneeoberfläche noch durchwegs vereist und harschig, allerdings wurde sie durch die Sonneneinstrahlung in den Südseiten recht schnell weich. Der Niederschlag am Dienstag fiel bis zirka 1600m Seehöhe als Regen, was sich im südseitigen Aufstiegsbereich auch durch eine hohe Dichte von heruntergerollten Nassschneeknollen zeigte. Die oberste Schneeschicht hatte bis zum Graf-Meran-Haus auf 1836m Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt, was eine Anfeuchtung der Schneedecke signalisierte.

Durch die Anfeuchtung der Schneedecken kommt es vermehrt zu Nassschneeknollen aus dem steilen Gelände. Quelle: LWD

Im Gipfelplateaubereich blieb die Schneeoberfläche bis in den frühen Nachmittag hart, vorauf sich frischer Triebschnee ablagerte. Das Schneeprofil (siehe LINK) zeigte ein kompaktes Schneefundament, auf dem sich der Triebschnee der letzten Tage abgelagert hatte. Zwischen diesen Schichten von Triebschnee wurde eingeschneiter Oberflächenreif als Schwachschicht ausgemacht. An der Schneeoberfläche hatte sich der verfrachtete Schnee durch den Wärmeeintrag zum Teil abgebaut und darüber eine dünne Schmelzkruste gebildet.

Harschkruste über den Triebschneeschichten, je nach Exposition und Höhenlage tragfähig oder brüchig. Quelle: Kain Florian

Die tiefen Temperaturen am Wochenende werden den Anfeuchtungsprozess innerhalb der Schneedecke stoppen und eine sehr harte und eisige Schneeoberfläche bewirken. Oberhalb der Baumgrenze werden sich durch starken West- bis Nordwestwind und etwas Neuschnee neuerlich störanfällige Triebschneeablagerungen bilden, die sich nur schlecht mit der harten Oberfläche der Altschneedecke verbinden werden.

Der stürmische Wind in den Gipfelbereichen führt zu frischem störanfälligem Triebschnee. Quelle: Kain Florian


Warmfrontdurchgang bestimmte den Start der Energieferien mit turbulentem Wetter

Erstellt am 22. February 2017

Die Energieferien sind bislang von turbulentem Wetter gekennzeichnet, auch bis zum Wochenende bleibt der wechselhafte Charakter voraussichtlich bestehen.

Der Warmfrontdurchgang zu Wochenbeginn brachte speziell in den Nordalpen viel Niederschlag. Im Raum Bad Aussee wurden bspw. ca. 50mm Niederschlag registriert, auch im Hochschwabgebiet fielen in Summe bis zu 60mm. Die Schneefallgrenze stieg in manchen Bereichen kurzeitig auf ca. 2000m an. Dazu wehte auf den Bergen anhaltend stürmischer NW-Wind.

Viel Niederschlag im Nordstau. An der Station Bärnbachsattrl der MA31 im Hochschwabgebiet fielen in 1300m von Dienstag auf Mittwoch 60mm als Regen was der Schneedecken sichtbar zusetzte. Nur in hohen Lagen, wie bspw. am Dachstein, kam einiges an Neuschnee dazu, der mit dem stürmischen Wind auch massiv verfrachtet wurde. Quelle: LWD

Der Regen und der Neuschnee bei starkem Wind haben sich negativ auf die Lawinenverhältnisse ausgewirkt: Die Gefahr von spontanen Nassschneelawinen ist in regenreichen Gebieten angestiegen. Sowohl in Form von spontanen Lockerschneelawinen (aus steilem Gelände) als auch von spontanen Schneebrettern (nasser Schnee, steigende Temperaturen), die mit der Altschneedecke schlecht verbunden sind.

Zudem besteht in höheren Lagen, wo der Schnee bei stürmischem Wind gefallen ist, ein Triebschneeproblem, wobei die Gefahrenstellen mit zunehmender Höhe ansteigen.

Nur in hohen Lagen fiel der Niederschlag als Schnee, der Hotspot lag laut SNOWGRIDanalyse im Toten Gebirge. Die Schneehöhen können aufgrund der tatsächlich sehr hoch gelegenen Schneefallgrenze etwas von der Realität abweichen. Quelle: ZAMG
 

Bei derartigen Warmfrontdurchgängen ist die Prognose der Schneefallgrenze natürlich essentiell, oft verhält sie sich aber in der Realität anders als in den Vorhersagen. Auch im Rahmen dieses Ereignisses hat es deutlich weiter hinauf geregnet als vorhergesagt, womit der Schnee bis in hohe Lagen feucht fiel und für eine derzeit unangenehme Beschaffenheit für Wintersportler sorgt.

Der weitere Ausblick: Morgen Donnerstag wird es mit einer föhnigen SW-Strömung sehr mild mit deutlichen Plusgraden in 2000m, der Föhn wird auf den Bergen durchaus stark bis stürmisch. Mit der immer wieder durchkommenden Sonne steht die Nassschneeproblematik im Vordergrund, das Triebschneeproblem verschiebt sich weiter nach oben.

Am Freitag bringt eine Kaltfront einen abrupten Wetterumschwung mit  NW-Sturm, Temperatursturz und etwas Neuschnee. Das Triebschneeproblem wird in Regionen mit Neuschnee vorherrschend, die Nassschneeproblematik schwächt sich ab.         

Zum Wochenende wird es kurzzeitig wieder winterlich, in Regionen mit Neuschnee wird das Triebschneeproblem wieder zulegen. Quelle: ZAMG
Spuren der Witterung im Dachsteingebiet. Regeneintrag, kleine spontane Lockerschneerutsche, Anrisse älterer spontaner Schneebretter und vom NW-Wind geformte Wechten, die mit der Erwärmung instabil werden können. Quelle: Podesser

 

 

 

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