Lawinenwarndienst Steiermark

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Nachbetrachtung des 10.01.2015

Erstellt am 11. Jänner 2015

Im Lawinenlagebericht wurde die Nassschneesituation in den Nordalpen Ost unterhalb von 1500m mit groß beurteilt. Der Grund für die Beurteilung war, dass es in den Nordalpen Ost eine Gesamtschneehöhe bis zu 80 cm gegeben hat. Bereits ab 06.01.2015 wurde die Schneedecke unter 1000 m feucht und die Verbindung zum warmen Boden war im Vorfeld schon nicht ausreichend. Mit dem Regeneintrag ist daher die Lawinengefahr angestiegen.

Zwischen Irdning und Mariazell sind in kurzer Zeit 30 bis 50mm Niederschlag gefallen und zwar in Form von Regen. Die Temperaturen waren selbst in 2000m Höhe positiv. Zudem weht ein stürmischer Wind.  Die Erwärmung hat in allen Höhenlagen der Schneedecke zugesetzt. Teilweise sind die tiefen Lagen ausgeapert. Der Boden ist sehr nass.   

Es wurden zahlreiche Nassschneelawinen bzw. Muren, welche auch die Straßen betroffen haben registriert.

 

Das Diagramm zeigt den Temperatur-, Wind und Schneehöhenverlauf an der meteorologischen Station Edelbodenalm. Quelle: Wiener Wasser

Die Temperaturen in 1300m: +10 Grad!

Beispiele von Nasschneelawinen/Muren: (Quelle: Kain Hermann)


Lawinensituation östliche Nordalpen

Erstellt am 9. Jänner 2015

Aufgrund der Erwärmung sind in den tiefen und mittleren Lagen Schneemäuler aufgegangen. Zudem wurden die ersten Entladungen heute von unserem Wetter- und Lawinenmelder Kain Hermann registriert.

Die Schneedecke wurde in den letzten Stunden feucht, teilweise sogar nass. Mit dem nächtlichen Regen wird die Lawinengefahr ansteigen. Es wird in den östlichen Nordalpen bis ca. 30 mm Niederschlag in Form von Regen erwartet. Schneefallgrenze steigt in der Nacht auf 1800m.

frisches Schneemaul  Quelle: Kain Hermann

 

In der Schneedecke gibt es  keine ausgeprägte Schwachschicht - der warme und nasse Boden ist die potentielle Schwachschicht.


Technische Tücken

Erstellt am 9. Jänner 2015

Unsere neue Homepage hatte in den letzten Tagen leider eine technische Tücke, die wir erst gestern entdeckt haben: Bei einigen Browsern konnte es vorkommen, dass im aktuellen Lawinenlagebericht eine veraltete Karte der Lawinenwarnstufen dargestellt wurde. Das Problem trat nur beim Bericht direkt auf der Homepage auf, nicht aber im PDF, Email, oder CAAML-File. Wir konnten das Problem mittlerweile lösen und hoffen, dass dadruch keine allzugroße Verwirrung entstanden ist.

Für Feedback zur neuen Homepage sind wir natürlich immer dankbar, insbesondere wenn wieder mal etwas nicht so funktioniert wie es sollte!
 


Lawinenreicher Dreikönigstag

Erstellt am 7. Jänner 2015

Nach mehreren Tagen mit Sturm und  Schneefall luden die Wetterverhältnisse am Dreikönigstag zahlreich Wintersportler zu Aktivitäten in die Berge ein. Die Lawinensituation war in vielen Regionen heikel, störanfälliger Triebschnee forderte im freien Gelände defensives Verhalten.

Nicht jeder hatte mit dem Neuschnee seine Freude..........(Tauplitzalm)

Wie erwartet gab es einige Lawinenereignisse. Zahlreiche Meldungen erreichten uns von spontanen Lawinenabgängen aus sonnenexponierten Hangzonen (markant bspw.am Dachstein (Hunerkogel), Grimming oder einige Rinnen in den Niederen Tauern).

Ein Lawineneinsatz mit ca. 85 Helfern musste zu Mittag auf der Tauplitz in Gang gesetzt werden. Zwei Wintersportler fuhren abseits der Piste in den bereits stark zerfahrenen Südhang im Bereich Kriemandl ein. Einer von ihnen löste dabei im steilen Gelände  - wahrscheinlich im Übergangsbereich von wenig zu viel Schnee – eine mittlere Schneebrettlawine aus. Da nicht sichergestellt werden konnte, ob eine der beiden Personen mitgerissen wurde, begannen die Helfer – bestehend aus Bergrettung und Alpinpolizei – den Lawinenkegel mit LVS, Recco und Lawinenhunden abzusuchen. Nachdem die „Ortung“ ergebnislos blieb, wurde der gesamte, teils einige Meter mächtige Ablagerungsbereich sondiert – ebenfalls ohne Ergebnis.

Anrissgebiet der Schneebrettlawine (ca. 45°). In verspurten Hängen ist die Verlockung bei meist gesunkenem Risikobewustsein oft groß, in noch unberührte Hangbereich einzufahren. Nicht selten befinden sich genau dort die Gefahrenbereiche.     
Lawinenbahn mit Ablagerungsbereich und den zahlreichen Helfern

Da die Mitarbeiter des Lawinenwarndienstes zufällig in der Nähe des Unfalls gerade mit einer Schneedeckenuntersuchung beschäftigt waren, konnten sie zusammen mit der Bergrettung ein Schneeprofil am Anriss der Lawine aufnehmen. So wie erwartet erfolgte der Bruch im Übergang zwischen dem Triebschneepaket, welches sich in den letzten drei Tagen gebildet hatte und einer Harschschicht. Mehr Infos gibt’s im LAWIS unter Schneeprofile und Lawinenereignisse

Gut zu erkennen: die verharschte Altschneedecke, auf der die abgelagerte Triebschneeauflage abglitt.
Auch beim Stabilitätstest brach der Block im Übergang zwischen Triebschee - Harschschicht
Anriss mit Blick Richtung Bergstation Mitterstein

Heikle Lawinensituation

Erstellt am 5. Jänner 2015

Der Kaltfrontdurchgang in der Nacht vom 03.01. auf 04.01. leitete die derzeit herrschende, heikle Lawinensituation ein. Die Problematik besteht zurzeit in den teils großen Mengen an Neuschnee - bis zu einem Meter seit Beginn des Ereignisses den Nordalpen - die mit dem stürmischen NW-Wind in sämtliche Expositionen verfrachtet wurden. Dieser Triebschnee lagerte sich auf zwei zurzeit großräumig existierenden Schwachschichten ab:

In sonnseitigen Expositionen bzw. dort, wo es am 03.01. länger in die Schneedecke geregnet hat (bis 1700m), bildete sich ein Harschdeckel aus, auf dem die abgelagerte Schicht bei einer Störung abgleitet.

Schattseitig kam er auf eine Altschneedecke mit mehrere Krusten zu liegen, zwischen denen aufgebaute, kantige Kristalle den Schneedeckenaufbau schwächen. Zusätzlich besteht hier das Fundament meist aus kantigen Formen (Schwimmschnee), wodurch sich die Stabilität der Schneedecke ungünstig gestaltet.

Meldungen von Sprengerfolgen auf der Tauplitz sowie von Schneedeckenuntersuchungen und vereinzelten Auslösungen bestätigen die heikle Situation sowie die existierenden Gefahrenbereiche im Gelände und in der Schneedecke.

Morgen (06.01.) wird von Westen her Hochdruckeinfluss wirksam. Mit der Einstrahlung werden in den schneereichen Gebieten vermehrt spontane Rutsche und Lawinenabgänge erwartet. Die heikle Triebschneesituation bleibt weiter bestehen. Trotz erstem schönen Tag nach der Schlechtwetterperiode gilt für alle Aktivitäten auf den Bergen DEFENSIVES VERHALTEN  in allen Hangbereichen!

Der orkanartige Sturm sorgte für einen zusätzlichen Eintrag von kleinen Zweigen in die Schneedecke. (Dachsteingebiet, 04.01., LWD)
Schneeprofil mit unterschiedlichen Triebschneeschichten, darunter Weicher Neuschnee auf der Eislamelleingeben (unter der Säge). Ein herausragendes Ästchen zeigt den herrschenden Windeinfluss während des Neuschneeereignisses (Dachsteingebiet, 04.01., LWD)
Wind-, Temperatur-, Neuschnee- sowie Feuchteverhältnisse berschreiben recht deutlich das Ereignis. Gut zu erkennen ist Frontdurchgang zum Datumswechsel 03.-04.01
Überblick über die Neuschneesummen in der Steiermark ab 02.01. (ZAMG-SNOWGRID)

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