Lawinenwarndienst Steiermark

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Tödlicher Lawinenunfall am Gr. Pyhrgas 2244m (Grenzgebiet OÖ-STMK)

Erstellt am 31. Dezember 2014

Bericht der Bergrettung vom Lawinenunfall am 28.12.2014 (Quelle: Heli S.)

Der Unfall:

Aufstieg vom Rohrauerhaus über den Hofersteig. Zu Fuß, ohne Schier, aber auch ohne Pieps, Schaufel, Sonde. 
Der Weg war durch Schneeverfrachtung vollkommen zugeglättet, so kamen sie durch die schlechte Sicht vermutlich zu weit links.
In 1900m entschieden sich die 3 Winterbergsteiger umzukehren. Im gleichen Moment kam über eine Felsstufe eine Lawine auf sie zu und riss sie bis auf 1520m hinunter. Fast 400 Höhenmeter! Für den 31. jährigen, er war ganz verschüttet, sein Rucksack ragte aus dem Schnee, kam durch die schweren Verletzungen jede Hilfe zu spät.
Die Aufnahmen 1,2 und 4 stammen vom 29.12. um ca 9:00 früh, bevor der nächste Schneefall einsetzte. Am Abend des 28. und in der Nacht hat der Schneefall ausgesetzt und der Wind nachgelassen, so sind die am Bild zu sehenden Verhältnisse ident mit der Lage am Unfallstag.

Unfallgebiet im öberösterreichisch-steirischen Grenzgebiet am Großen Pyhrgas (Quelle: BEV)

Kalter Schnee und starker Wind gibt eine sehr aggressive Schneekonsistenz! 
Schlechte Sicht, Schneefall, starker Wind, frisch verfrachteter Schnee, eisige Temperaturen, riesiger Leehang, 35 bis 45 Grad Steilheit, felsdurchsetzt, das sind alles Zutaten für eine äusserst kritische Lawinensituation.

(1) GRÜN: Hofersteig, ROT: Lawinenbahn, O: Fundort auf 1520m (Quelle: Heli S.)

(2) Eindeutige Anrisse (Quelle: Heli S.)

47 Bergretter und 5 Alpinpolizisten waren im Einsatz. Mit der Risikobereitschaft von einigen wenigen werden ganze Bergrettungsmannschaften in große Gefahr gebracht! Zum Glück hat sich während der Bergung keine zweite Lawine gelöst!

Grundloser Pulver, teilweise starke Verfrachtungen, beim Gehen immer wieder Anzeichen von kleinen Anrissen, 30 bis 40cm Schnee, gefallen in den letzten 2 Tagen, davor war kein Schnee in der Südflanke, 10 bis 20cm Neuschnee. In Rinnen, Mulden und eingewehten Bereichen bis zu 1m Schnee. Wetter: -12° in 1500m, kalter Wind, schlechte Sicht, Schneefall, Schneeverfrachtungen.

(3) Wetterbedingungen während dem Einsatz (Quelle: Mandy Hiebl)

(4) Fundstelle des tödlich Verunglückten (Quelle: Heli S.)


Erkundung der Verhältnisse in den östlichen Nordalpen

Erstellt am 29. Dezember 2014

Nach dem morgendlichen Telefonat mit unserem Wetter- und Lawinenmelder auf der Veitsch, Josef Scheikl entschieden sich die Mitarbeiter des Lawinenwarndienstes aufgrund der herrschenden Schnee- und Wetterbedingungen die Situation eben dort zu erkunden. Nach einem Aufstieg entlang der beschilderten Route Richtung Graf Meran Haus in einer weitgehend lockeren und ungebundenen Schneedecke wirkte der vorhergesagte stürmische Nordwind kurz vor dem Ausstieg auf das Plateau bereits kräftig auf die zahlreichen Alpinisten und die Schneedecke ein.

Unangenehmer Nordwind und leichter Schneefall unmittelbar beim Graf Meran Haus auf ca. 1830m Seehöhe   

Bei der Abfahrt durch die SW-exponierte Schallerrinne bildeten sich an den Randbereichen bereits frische Einfrachtungen (spröde, gebundene Triebschneeauflage auf lockerer Schneeschicht), die sich mit anhaltendem Wind im Tagesverlauf und in der darauffolgenden Nacht vermehrt in den Leeseiten oberhalb der Waldgrenze ausbilden konnten.

Typische Situation: Triebschnee.  Kalter, verfrachtungsfähiger Schnee und Wind führt zur Ausbildung von Triebschneebereichen

Die herangeführten arktischen Luftmassen sorgen zusammen mit dem stürmischen Wind zurzeit für extreme gefühlte Temperaturwerte auf den Bergen.

„Wind-Chill“ Temperatur in der Steiermark vom 28.12.2014  


Kritische Harschschicht im Dachsteingebiet – Update

Erstellt am 27. Dezember 2014

Die Schneehöhen sind im Allgemeinen derzeit – trotz aktuellen „Nachschubs“ – insgesamt noch immer auf der mageren Seite und Skitour-Unternehmungen somit stark eingeschränkt. Nichtsdestotrotz sind Gefahrenstellen in den höheren Lagen durchaus „schon“ vorhanden, auf die uns eingegangene Meldungen aus dem Dachsteingebiet auch deutlich aufmerksam gemacht haben.

Das nachfolgende Bild zeigt die verharschte/vereiste Oberfläche der Altschneedecke am Dachstein, allerdings noch vor dem Einsetzen der Schneefälle (die Aufnahme stammt vom 24.12.2014, „Schöberl“). Wenn man sich die Folgeentwicklung vor Augen hält, so kann man davon ausgehen, dass sich oberhalb dieser „Eisfläche“ Triebschnee abgelagert hat, der bei Zusatzbelastung zur Auslösung gebracht werden kann.

Der Wind ist nach wie vor wirksam, wehte bisher stürmisch aus Nordwest bis West, dreht heute auf Südwest und wird morgen vermehrt aus nordöstlichen Richtungen wehen und dabei abermals an Stärke gewinnen. Darüber hinaus gehen die – bereits winterlichen – Temperaturen weiter zurück. All dies sind Indizien dafür, dass dieses Problem wohl länger bestehen wird.

Ausgeprägte Harschschicht am "Schöberl", aufgenommen vor den Schneefällen am 24.12.2014 (Foto: Lambert Traninger)

Kritische Harschschicht in den Hochlagen des Dachsteingebietes!

Erstellt am 23. Dezember 2014

Vor Eintreffen der letzten schneebringenden Kaltfront wurden um den 19.12. bis knapp 2.900 m positive Lufttemperaturen gemessen. Die Wetteränderung brachte anfangs Regen bis in die Hochlagen, mit dem nachfolgenden Temperatursturz um etwa 15K verharschte die feuchte Schneeoberfläche. Es folgte am vergangenen Wochenende bis etwa 30cm Neuschnee, welcher unter starkem Windeinfluss fiel und sich schlecht mit der Altschneedecke verband.

Oberhalb von etwa 2.500 m treten flächig Schwimmschnee sowie kantige Schneekristalle als Schwachschicht auf!

Eingewehte Steilhänge so wie hier die Querung zum Edelgries sollten unbedingt gemieden werden!


Winter-Intermezzo

Erstellt am 22. Dezember 2014

Zwar lässt der „wirkliche Winter“ noch auf sich warten, jedoch führte der geringe Neuschneezuwachs vom Wochenende aufgrund der starken bis stürmischen Windeinwirkung (NW-W) zu einer lawinenrelevanten Situationsänderung: Betroffen sind ausgesetzte, hohe Lagen, wo in Hohlformen frische Triebschneelinsen entstanden sind. An diesen Hangbereichen kann diese Triebschneeauflage zur Auslösung gebracht werden. Im Fundament der (nach wie vor unterdurchschnittlichen und geringmächtigen) Schneedecke schwächen kantige Formen deren Aufbau – sie bildeten sich im Zuge der aufbauenden Umwandlung der überdauernden Altschneedecke (Schattlagen). Ansonsten sind windausgesetzte Bereiche abgeblasen und daher praktisch schneefrei.

Wie entwickelt sich das Wetter?

Auf den Bergen überwiegen im Laufe der kommenden Tage die sonnigen Phasen. Zwar gibt es immer wieder einmal auch dünnere Wolkenfelder, sie bleiben jedoch harmlos und bringen keine Niederschläge mit sich. Der Wind weht speziell in den nördlichen Gebirgsgruppen stark bis stürmisch aus überwiegend westlichen Richtungen. Das Temperaturniveau beginnt zu steigen und es erwarten uns bis Weihnachten überaus milde Werte um +7 Grad in 1500m, selbst in 2000m erreichen wir für die Jahreszeit unübliche Werte um +5 Grad.

Der Lawinenwarndienst Steiermark startet mit der routinemäßigen Lageberichtserstellung bei einer nachhaltigen Änderung der Situation.

Wetterdaten vom Grimming/Multereck: Neuschneezuwachs bei stürmischem Wind aus westlichen Richtungen. Das Temperaturniveau beginnt bereits zu steigen.

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