Lawinenwarndienst Steiermark

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Schneedeckenuntersuchung Rottenmanner Tauern

Erstellt am 18. Februar 2015

Der einzige Schönheitsfehler der derzeit günstigen Lawinensituation sind die Schattseiten der Hochlagen, wo wir nach wie vor vereinzelte Gefahrenstellen nicht ausschließen können. Aus diesem Grund wurden am 18.2. in den Rottenmanner Tauern (Hauseck) nordseitig in knapp 2000m Höhe Schneedeckenuntersuchungen durchgeführt. Wir fanden lokal eine sehr stabile Schneedecke vor, die keine kritischen Schwachschichten aufwies. Das aufgenommene Schneeprofil ist unter dem entsprechenden Datum auf unserer Homepage unter "Aktuelles --> Schneeprofile (LAWIS)" zu finden.
Schneedeckenuntersuchung am Hauseck.

Auffallend war weiters die verbreitete und starke Oberflächenreifbildung. Da in den nächsten Tagen Erwärmung und keine Schneefälle zu erwarten sind, ist dieser Reif derzeit nicht lawinenrelevant. Er kann allerdings schattseitig durchaus einige Tage bestehen bleiben und wird eventuell am Wochenende eingeschneit. Tritt dieser Fall ein, verwandelt sich die Reifschicht sehr schnell in eine ernsthafte Gefahrenquelle, da er eine ideale Schwachschicht für Schneebretter darstellt.

Oberflächenreif im Nahbereich der Edelrautehütte.

Tödlicher Lawinenunfall auf der Lahnerleitenspitze

Erstellt am 17. Februar 2015

Am Sonntag, dem 15.02.2015 kam es in den Eisenerzer Alpen zu einem tragischen Lawinenunfall, der zwei Menschenleben forderte. Eine vierköpfige Gruppe löste bei der nordseitigen Abfahrt von der 2027m hohen Lahnerleitenspitze Richtung Schafbödenalm ein Schneebrett aus. Dabei wurden drei Tourengeher mitgerissen, zwei von ihnen zogen sich tödliche Verletzungen zu. Die Anrisshöhe des etwa 30m breiten Schneebretts lag bei ca. 20cm, die Lawine überwand auf ihrer Sturzbahn knapp 500 Höhenmeter.

Frontaler Blick auf die Lawine, die im schattseitigen, extrem steilen Gelände ausgelöst wurde.

 

Im Rahmen der Unfallerhebung konnte sogleich ein Erkundungsflug durchgeführt werden, wobei sich deutliche Unterschiede zur letzten Hubschraubererkundung vom Mittwoch der vergangenen Woche zeigten. Waren es zum damaligen Zeitpunkt in erster Linie spontane Schneebretter und Lockerschneelawinen, so prägten in der Folge deutlich mehr Gleitschneelawinen das Bild der spontanen Lawinenaktivität – eine Auswirkung der längeren Schönwetterperiode aufgrund des beständigen Hochs.

An den besonnten Südexpositionen lösten sich einige Gleitschneelawinen. Dies galt sowohl für die Hochlagen...

 

...als auch für das bewaldete Steilgelände der tiefer gelegenen Bereiche.

 

Ein kleines Schneebrett löste sich von den Steilstufen des Erzberges.

 

Gleitschneeaktivitäten auch auf den Eisenerzer Skisprunganlagen.

Schneedeckenerkundung Nordalpen am 11.02.2015 – ein ganz schön langer Tag.

Erstellt am 12. Februar 2015

Nach der stürmischen und schneereichen Wetterphase zu Wochenbeginn, die uns veranlasste, erstmals in diesem Winter die Gefahrenstufe 4 auszugeben, galt es sich einen Überblick darüber zu verschaffen, in wieweit sich diese kritische Phase schon wieder entspannt hat.

Mit dem Hubschrauber des BMI wird als erste Station die Messnerin angeflogen, wobei sich die Landung nahe des Gipfels wegen des noch böigen Nordwindes als gar nicht so einfach darstellte. Hier ziehen nach Süden einige Lawinenbahnen Richtung Haringgraben, welche die dortige Gemeindestraße gefährden.  

Nachdem die zuständige Gemeinde nach der Fusionierung derzeit ohne Lawinenkommission dasteht, steht der Lawinenwarndienst dem Regierungskommissär beratend zur Seite.

Schneeprofile in direkten Lawineneinzugsgebieten werden nur im gesicherten Zustand durchgeführt. Die Lärche leistet uns da immer Hilfe.  Hier liegen knapp 2 Meter Schnee, der noch nicht gesetzt ist. Der gebundene Schnee liegt auf einer etwa 80cm tiefer liegenden Eislammelle, die verbreitet durch Regen am 10.Jänner entstanden ist. Foto: LWD

 

Bei Auslösetests geht die Eisschicht mit dem Block ab, die Schwachschicht aus kantigen Kristallen liegt darunter. Foto: LWD

Weiter gehts zum inzwischen nebelfreien Wildalpen zur dortigen Lawinenkommission. Hier sollte eine Einschätzung darüber erfolgen, ob die gesperrten Straßen nach Hinterwildalpen und Rothwald wieder aufgemacht werden können.

Die Straße nach Hinterwildalpen. Foto: Kain

In diesem exponierten Teil der Steiermark hat die Lawinenkommission ein großes Netz an Bundes- Landes- und Gemeindestraßen zu beurteilen.

Böschungsrutsch an der Straße nach Hinterwildalpen. Foto: LWD

Die großen Lawinen sind diesmal ausgeblieben, allerdings gab es von den steilen Straßenböschungen zahlreiche Schneerutsche.

Straße nach Rothwald. Foto: LWD

Die knapp 20 Kilometer lange Straße nach Rothwald nach Schneefällen freizuhalten erfordert großen Einsatz des Räumdienstes. Solche exponiert liegende Straßenabschnitte für den Verkehr wieder freizugeben, gehört außerdem zu den undankbaren Aufgaben der Lawinenkommission.

Straße nachRothwald. Foto: LWD

Nachdem der Befund nach der Befliegung  eine Entspannung der Lawinensituation ergeben hat, können die betroffenen Straßenabschnitte wieder freigemacht bzw. freigegeben werden.

Unser nächstes Ziel ist der Grimming. Unterwegs werden mehrere frische Schneebretter gesichtet.

Schneebett vom Ebenstein. Foto: LWD
Schneebretter in den Haller Mauern. Foto: LWD

Der Grimming nimmt bei der Lawinenwarnung eine gesonderte Stellung ein. Aufgrund der großen Schneeinzugsgebiete und der langen Sturzbahnen bis ins Tal kommt diesem Berg eine besondere Bedeutung zu. An seine Ostseite (Multereck) trägt u.a. eine Radaranlage zur Sicherung der B145 bei: Bei größeren Schneebewegungen am Berg schaltet eine Verkehrsampel im Tal auf Rot.

Im Bild er Ostgipfel, das Multereck mit der Windmessanlage und dem Schneepegel, wo wie aussteigenmüssen. Foto: LWD

An der Grimming-Südseite können Lawinen den Talboden des Ennstales erreichen. So etwa im Jahr 2005, als die B320 verschüttet und die Bahnanlage stark beschädigt wurden.

Der verschneite Südost- und Südgrat. Foto: LWD

Während des Tankens in Niederöblarn geht an der Südseite des Grimmings eine Staublawine ab. Foto: LWD

Erst einmal rasch die Station vom Eis befreien und Reparaturarbeiten durchführen. Foto: LWD

Auch beim Schneeprofilgraben am Multerteck gilt: Besser sichern als mit einem Schneebrett in den „Kasten“ fahren. Foto: LWD

Wieder das gleiche Bild: Die Schwachschicht (kantige Kristalle) liegt unter der Eisschicht, die sich im Zuge von Regen 10.Jänner gebildet hatte. Foto: LWD

Langes Warten mit Karl Lux von der LK Pürgg-Stainach auf den Hubschrauber, der zu einem Lawinenabgang in den Eisenerzer Alpen muss. Foto: LWD

Nach einem langen Tag geht’s wieder Richtung Graz. Im Bild der Schwarzenstein in den Eisenerzer Alpen. Foto: LWD


Spontane Lawinen und Strassensperren

Erstellt am 10. Februar 2015

Orkanartiger Wind und bis zu einem Meter Neuschnee in 48 Stunden sorgtrn am 09.02.2015 in den Nordalpen und den nördlichen Niederen Tauern für große Lawinengefahr (Stufe 4). Die gebietsweise enormen Neuschneemengen gingen als spontane Lawinen ab und erreichten stellenweise Straßen und Forstwege wie bspw. im Bereich Hinterwildalpen/Rothwald oder St. Nikolai i. S. Betroffene Straßen wurden zuvor von der örtlichen Lawinenkommissionen begutachtet und bei bedarf gesperrt. 

Die Hinterwildalpenstraße wurde gesperrt. Immer wieder löste sich aus steilen Hangzonen die Neuschneeauflage, die mit der Altschneedecke extrem schlecht verbunden war. (Quelle: Kain)
Auch auch die gesperrte Rothwaldstraße wurde stellenweise von spontanen Lawinen verlegt. (Quelle: Kain) 

Stationswartung und Schneedeckenuntersuchung Loser

Erstellt am 5. Februar 2015

Ein Ausfall der Station Loserstraße machte am 4.2. eine Wartungsfahrt auf den Loser notwendig. Die Arbeiten gestalteten sich langwieriger und komplizierter als erwartet, aber die Station konnte letztendlich in Stand gesetzt werden.

 

Nur das sonnige und windstille Wetter und die Ausdauer unseres Technikers machte die stundenlange komplizierte Reparatur möglich.

Natürlich wurde die Gelegenheit genutzt um auch Schneedeckenuntersuchungen durchzuführen. Obwohl potentielle Schwachschichten gefunden wurden, erwiesen diese sich als relativ schwer auslösbar. Die Untersuchungen deuten lokal auf eine leichte Entspannung der Lawinensituation hin (das dazugehörige Schneeprofil ist unter "Aktuelles --> Schneeprofile" auf unserer Homepage zu finden).

Zwischen den Triebschneeschichten der letzten Woche befinden sich immer noch potentielle Schwachschichten, allerdings sind diese mittlerweile schwer auslösbar.

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