Lawinenwarndienst Steiermark

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Winterlicher Frühlingsbeginn

Erstellt am 20. März 2018

Der heurige Frühlingsbeginn gestaltet sich in der Steiermark noch ganz schön winterlich. Auf den Bergen liegt ausreichend Schnee und auch in der Ost- und Südsteiermark lässt uns der Winter noch nicht los. Die tiefen Temperaturen und der Neuschnee von letztem Wochenende sorgen selbst in tiefen und mittleren Lagen für gute Schneeverhältnisse.

Tief winterliche Verhältnisse auf der Koralm. (Quelle: LWD)

Am Sonntag zeigte ein Blick in die Schneedecke auf der Koralm, dass frischer Triebschnee auf einer Schicht bereits abbauend umgewandelter, rundkörniger Kristalle liegt und diese wiederum auf einer stabilen, dicken Schmelzkruste abgelagert ist. Die Verbindung zwischen Triebschnee und der Schmelzkruste ist nicht optimal und kann in steilen Hängen gestört werden. Außerdem ist die Schneedecke bereits überwiegend isotherm, was besonders wieder in dem Moment, wo die Temperaturen moderat werden, beachtet werden muss! Da kann dann die Gleitschneeaktivität sprunghaft ansteigen.

Das am Loskogel aufgenommene Schneeprofil vom Sonntag. Es wurde nur bis zur Tiefe potentieller Schwachschichten gegraben. (Quelle: LWD)

Aktuell kommt zu den tiefen Temperaturen stürmischer Nordwestwind hinzu, der für gefühlte Temperaturen um -35 Grad sorgt und neuerliche Gefahrenstellen für Schneebretter durch frische Verfrachtungen verursacht! Im Laufe dieser Woche strömen weiterhin kalte Luftmassen vom Norden in den Alpenraum ein (blaue Bereiche in der 500hPa-Karte) und sorgen bis zum Wochenende für frostige Temperaturen.

ECMWF-Wetterlagenprognose in 500hPa für Dienstag den 20.3.2018 0 Uhr. (Quelle: ZAMG)


Zunehmend frühlingshafte Bedingungen führen zu einer langsamen Verlagerung der Gefahrenstellen

Erstellt am 7. März 2018

Wie berichtet war das vergangene Wochenende das bisher lawinenreichste der Saison. Nachfolgend noch zwei Fotos von dokumentierten Schneebrettlawinen. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass in der Steiermark bei mittlerweile zahlreichen Lawinenereignissen neben viel Glück eine weitere Sache in dieser Saison sehr positiv auffällt: Es wurden verhältnismäßig viele Lawinenabgänge gemeldet, bei denen nichts Wesentliches passierte. Somit waren die Rettungskräfte informiert und es konnten oft aufwendige Einsätze vermieden werden.

Schneebrett vom 03.03. am Hochschwab im Bereich Hirschgrube. Quelle: C. Staller
Schneebrett ebenso vom 03.03. in den Nördlichen Niederen Tauern im Bereich der Leckenkoppe. Quelle: C. Friedl

Neben Triebschneebereichen, die in höheren Lagen weiter bestehen bzw. sich frisch bilden können, führt der fortschreitende Temperaturanstieg in der Höhe zu einer Verlagerung der Gefahrenstellen für Lawinen. Triebschneebereiche bauen sich somit witterungs- und jahreszeitenbedingt rascher ab. Das Altschneeproblem, also Schwachschichten in Form von bspw. lockeren, aufgebauten Schneeschichten in Bereichen von Krusten tritt (neben sonnseitigen Spontanauslösungen) in schattseitigen Hängen in den Vordergrund. Auch mit einer wieder ansteigenden Gleitschneeaktivität ist zu Rechen, wie Beobachtungen bereits zeigen.

Bruch des Blockes beim Stabilitätstest (Nordosthang) in einer bereits massiv ausgeprägten Schicht aus kantig aufgebauten Kristallen (Pfeile) unter einer Harschkruste (gelbe Markierung) (siehe auch LAWIS/Profile). Quelle: LWD
Frisches und rasch anwachsendes Gleitschneemaul im südwestexponierten Wildfeld am Lamingegg, aufgenommen am 05.03. Quelle: shorty the.
Prognose des Temperaturverlaufs in ca. 1500m  Seehöhe für die kommenden Tage. Nach dem kurzen Störungsdurchgang mit etwas Neuschnee in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag wird es nachhaltig wärmer. Quelle: ECMWF/ZAMG

Samstag, 3.März 2018: Der bisher lawinenreichste Tag dieses Winters

Erstellt am 4. März 2018

Der Samstag, 3.März, war der bisher lawinenreichste Tag in dieser Wintersaison. Vom Silberling, Bösenstein, Tamischbachturm, Veitsch, Häuslalm und Sonntagskogel wurden Schneebrettauslösungen mit Personenbeteiligung gemeldet, die aber alle glimpflich verliefen. Besonderes Glück hatten 5 Tourengeher einer zehnköpfigen Gruppe, die am Rauschkogel ein Schneebrett auslösten und mitgerissen wurden, den Lawinenabgang aber unbeschadet überstanden.

Die Windstation am Gr. Schober zeigt die in Stärke und Richtung stark wechselnden Windverhältnisse gut an. Quelle: LAWIS

Die Gründe für das gehäufte Auftreten von Schneebrettauslösungen an diesem Tag sind vielschichtig. Neben dem verstärkten Andrang von Tourengehern an diesem Wochenende mit günstigen Wetterverhältnissen ist der schlechte Schneedeckenaufbau ab Donnerstag, dem 1.März entstanden. Die Periode zuvor war durch die Kältewelle mit sehr niedrigen Temperaturen, relativ wenig Wind und lockerem Neuschnee, teilweise auch in Form von Wildschnee gekennzeichnet. Mit diesem Schnee hatte der in Richtung und Stärke permanent wechselnde Wind leichtes Spiel, durch die anhaltenden Schneeumlagerungen kam es ab Donnerstag zu größeren Triebschneeansammlungen, die in geschützteren Hangzonen auf weicherem Schnee oder Oberflächenreif abgelagert und daher sehr störanfällig wurden. Während an den sonnenbeschienen Hängen die Setzung rascher erfolgte, und eine gewisse Entspannung eingetreten ist,  bestehen die Triebschneeprobleme im schattseitigen Gelände nach wie vor. Selbst in tieferen Lagen, wo die Kälte noch nicht ausgeräumt wurde, trifft man auf spröde gebliebene Triebschneelinsen.

Wie unvernünftig sich manche Tourengeher verhalten, zeigt nachfolgendes Bild, welches Samstagmittag aufgenommen wurde: Es zeigt einen Schifahrer, der in die eingewehte NW- Rinne des Gr. Grießsteins einfährt und dann zu Fuß weitergeht…

„Mutiger“ Schitourengeher quert die eingewehte Rinne am Gr. Grießstein…
…und geht zu Fuß weiter. Foto: A. Podesser
1,5km östlich davon löst etwa zur gleichen Zeit ein einzelner Schitourengeher am Sonntagskogel ein Schneebrett aus. Foto: D. Obermayer, D. Sykora

Triebschnee in untypischen Expositionen

Erstellt am 24. Februar 2018

Von Dienstag bis Freitag sind in den steirischen Bergen bis zu 50 cm Neuschnee gefallen. Der Niederschlagsschwerpunkt lag im Bereich der Koralpe, aber auch die östlichen Niederen Tauern, die Nordalpen Ost und das östliche Randgebirge haben einigen Neuschnee abbekommen. Der kalte Schnee ist zunächst ohne Wind gefallen und wurde dann seit Donnerstag durch mäßigen bis lebhaften Ostwind kammnah in westlich exponierten Hängen abgelagert. Am Samstag hat der Wind auf Nord gedreht, wodurch nun auch die Südexpositionen mit Triebschnee beladen werden.

Das Schneedeckenfundament ist insbesondere in Bereichen mit relativ geringer Schneemächtigkeit von störanfälligen Schwachschichten zwischen Harschkrusten durchsetzt. Dort wo der frische Triebschnee auf solchen Schwachschichten zu liegen kommt, können derzeit sehr leicht Schneebrettlawinen ausgelöst werden. Die Gefahrenstellen finden sich vornehmlich kammnah direkt über der Waldgrenze in westlich und südlich exponierten Hängen.

Ein Beispiel ist eine vermutlich spontan am Donnerstag abgegangene  Schneebrettlawine der Größe 3 im Westhang direkt unter dem Gipfel des Moschkogel im Koralmgebiet.

Vermutlich am Donnerstag (22.2.) spontan abgegangene Schneebrettlawine am Westhang des Moschkogel.

Auch in den Seckauer Tauern wurde am Samstag auf etwa 1900m ein kritischer Schneedeckenaufbau vorgefunden und Gefahrenzeichen wie Wumm-Geräusche wahrgenommen. Direkt unterhalb eines Nord-Süd verlaufenden Kammes hat sich westseitig etwa 40cm spröder Triebschnee auf einer dünnen Harschkruste abgelagert. Direkt darunter findet sich eine störanfällige Schwachschicht aus kantigen, rieselfreudigen Kristallen. Auch tiefer im Schneedeckenfundament finden sich jede Menge potentielle Schwachschichten bis hin zu Schwimmschnee direkt über dem Erdboden. Das entsprechende Schneeprofil ist hier im LAWIS System zu finden.

Schneeprofil westseitig am Rosenkogel (Samstag, 24.2.)

Zusammenfassend können derzeit besonders die Bereiche knapp über der Waldgrenze, wo frischer Triebschnee auf einer relativ geringmächtigen Altschneedecke abgelagert wurde als kritisch bezeichnet werden. Das ist vor allem kammnah in westlich und seit Samstag zunehmend auch südlich ausgerichteten Hängen der Fall. Während sich Schwachschichten innerhalb der frischen Triebschneeauflage bereits großteils abgebaut haben, wird sich die nun wesentliche Schwachschicht aufgrund ihrer Kristallstruktur nicht so schnell stabilisieren. Lokal muss also auch in nächster Zeit mit kritischen Gefahrenstellen gerechnet werden.

Unter der Waldgrenze findet man allerdings vor allem nordseitig sicher noch einige Tage lang traumhaften Pulverschnee smile


Schneesituation Koralmgebiet, 08.02.2018

Erstellt am 10. Februar 2018

Ein Adriatief hat zu Wochenmitte in den südlichen Gebirgsgruppen für kalten Neuschnee gesorgt, bis zu 20 Zentimeter wurden im Bereich des weststeirischen Randgebirges  gemessen.  Der „Vorteil“ dieser Wetterlage ist, dass sich der Wind während des Schneefallereignisses eher zurückhält, wiewohl etwa die Koralpe eine äußerst windreiche Region ist. Kaum windverfrachtet und entsprechend pulvrig war der Schnee.

Auf dem Weg zum Moschkogel, im Hintergrund der Windpark Handalpe.

Dass es aber auch in dieser Mittelgebirgsregion Hangzonen gibt, die man besser nicht befahren sollte, zeigt bspw. die Einsattelung zwischen Moschkogel und Hühnerstütze: Der ostexponierte Hang ist im Kammbereich immer stark verwechtet, das Erlengebüsch bietet gute Voraussetzungen für die aufbauende Schneeumwandlung.

Der verwechtete Übergang von der Grillitschhütte zur Bärentalalm zwischen Moschkogel und Hühnerstütze.

Die Gesamtschneehöhen in diesem Gebiet bewegen sich zwischen 80 und 100 Zentimeter, an einigen eingewehten Hangbereichen kann aber auch deutlich mehr Schnee liegen, der außerdem störanfällig ist (siehe Schneeprofil)!  Es gibt hier auch eine Wetterstation des Hydrographischen Dienstes, die Schneedaten können auf der Homepage des Lawinenwarndienstes abgerufen werden.

Station Grünangerhütte des HD Steiermark.

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