Lawinenwarndienst Steiermark

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Lawinenkommissionskurs in der Eisenerzer Ramsau.

Erstellt am 16. Jänner 2020

Vom 13. bis 15. Jänner fand der zweite Lawinenkommissionskurs der Saison statt. Das Team des LWD Steiermark, unterstützt durch Alpinpolizei, Bergführer und ExpertInnen wie den ehmaligen Leiter des LWD Bayern, Dr. Bernd Zenke und die Soziologin und Mediatorin Dr. Renate Renner, bildetet dabei ein hoch-motoviertes TeilnehmerInnenfeld aus den Lawinenkommissionen aus.

Mit dabei war diesmal auch das Medienteam des Landes Steiermark, hier der Bericht.

 

Mitglieder der Lawinenkommission Eisenerz und Ausbildner (und ehem. Leiter des LWD Bayern) Bernd Zenke. Foto: LWD Stmk.

Schneedeckenaufbau nach Sturm und Neuschnee

Erstellt am 5. Jänner 2020

Die stürmische Nordwestströmung sorgte in der Nacht von Samstag (04.01.) auf Sonntag sowie tagsüber für umfangreiche Umlagerungen des Neuschnees, der am Samstag bzw. großteils in den Nachtstunden zum Sonntag gefallen ist. Für den zurzeit herrschenden Schneedeckenaufbau und in weiterer Folge die Lawinengefahr war folgendes von Bedeutung: Das Niederschlagsereignis begann am Samstag bei verbreitet recht milden Temperaturen, vielerorts regnete es bis in Lagen zwischen 1200m und 1500m. Die folgende Abkühlung sorgte dort für die Ausbildung einer Kruste, welche dann von Triebschnee überdeckt wurde. In höheren Lagen fiel der Niederschlag von Beginn an als Schnee und lagerte sich je nach Wind in unterschiedlich harten Schichten auf der Altschneedecke ab. Vielerorts mischte sich in die konvektiven Schauer Graupel, der oft für eine lockere, weniger gebundene Schneeauflage sorgte.

Messdaten der Station Niederalpl. Am Beginn des Ereignisses fiel der Niederschlag bis in höhere Lagen als Regen, in weiterer Folge bildete sich eine Regenkruste aus, die von kaltem Neuschnee überdeckt wurde. Quelle: LWD/Lawis
In der Triebschneeauflage war oft Graupel eingelagert. Quelle: LWD
Der stürmische Wind sorgte für starke Verfrachtungen bis in den Wald und...
.....sorgte für stark wechselnde Verhältnisse (abgeblasene Rücken bzw. befüllte Leebereiche) auf engen Raum, wie hier im Bereich der Leobnerhütte am Präbichl.  Quelle: LWD

Schwachschichten existieren somit vorrangig innerhalb der unterschiedlich mächtigen Triebschneeauflage. Die Verbindung zum Altschnee ist in Bereichen mit Harschdeckel meist gut. Hier gilt es die folgenden Tage die Entwicklung zu beobachten (aufbauende Umwandlung > Bildung von kantigen Kristallen > Schwachschicht). In schattseitigen, geschützten Lagen wurde (auch in höheren Waldbereichen) Oberflächenreif überdeckt, die Gefahr von Schneebrettauslösungen darf in solchen Bereichen nicht unterschätzt werden.

In den kommenden Tagen wird weitgehend stabiles, niederschlagsfreies Wetter erwartet. Die Schneebrettgefahr bleibt aber besonders morgen Montag (06.01.) speziell vom lichten Waldbereich aufwärts erheblich und darf nicht unterschätzt werden. Zusätzlich steigt vor allem sonnseitig die Wahrscheinlichkeit von spontanen Lawinenabgängen aus extrem steilem Gelände.

Schneeprofil in ca. 1500m im Hochschabgebiet (Präbichl). Blau markiert gut zu erkennen der Schmelzdeckel vom Regen, darüber (rot) die Triebschneeauflage mit eingelagertem Graupel. Die nur mäßig gebundene Auflage konnte bei ECT 22 ausgelößt werden. (siehe Profile)
 

Bisheriger Winter- und Schneedeckenverlauf und Ausblick

Erstellt am 29. Dezember 2019

Nach ersten Schneefällen im November, die vor allem in den Tauern und Gurktaler Alpen recht ergiebig ausfielen und weiterem, eher geringem Neuschneezuwachs zwischen 9. und 13.12. begann Mitte Dezember eine sehr milde Wetterphase, die bis zum 21.12. anhielt. Mit dem dabei anhaltend starken Südföhn aperten viele Hangebereiche aus, mit einer relativ milden West- bis Nordwestströmung setzte am 23.12. pünktlich das sog. Weihnachtstauwetter ein. Schnee fiel dabei vorerst nur oberhalb von ca. 1.100m. Es folgten weitere Schneefallperioden am 25.12. sowie zwischen 27. und 28.12., mit der Winddrehung auf Nordwest setzte teils stürmischer Nord- bis Nordostwind ein, Schnee vermischte sich mit Graupel und es kühlte stark ab.

Die stark wechselnden Witterungsbedingungen spiegeln sich auch in der Schneedecke in einer Abfolge von härteren, vom Wind beeinflussten Schichten mit weicheren Einlagerungen wieder. Während sich die Wetterbesserung in den westlichen Gebirgsruppen bereits am 28.12. durchsetzte, schneite es von den Eisenerzer Alpen bis zu Hochschwab und Rax noch bis zum Morgen des 29.12. weiter, begleitet von stürmischem Nordostwind. In diesen Gebieten gab es daher noch stärkere Windverfrachtungen, der Triebschnee liegt auf weichem Schnee oder einer dünnen Reifschicht, die sich am 26.12. (erste Nachthälfte) gebildet hat.

Lawinenstation Loser. Quelle: LAWIS/LWD Steiermark
 

Am Sonntag, den 29.12. ereigneten sich einige Lawinenunfälle, die allesamt glinpflich ausgingen, so etwa in den Eisenerzer Alpen oder im Hochschwabgebiet.

Von einem Schifahrer ausgelöstes Schneebrett am Kragelschinken (Eisenerzer Alpen). Foto: M. Edlinger

 

Wie geht es weiter?

Schnee ist vorerst keiner mehr zu erwarten, die nächsten Tage werden über Neujahr hinaus recht sonnig und mild, zwischendurch weht am Alpenostrand allerdings weiterhin kräftiger Nordwestwind. Trotzdem wird sich die Setzung der Schneedecke schattseitig verzögern, gerade auch in den östlichen Gebirgsgruppen, hier sollten extrem steile Hänge vorerst noch gemieden werden!

Sonnseitig wird die Locker- und Gleitschneelawinenaktivität zunehmen, das zeigte sich heute bereits in den nördlichen Wölzer Tauern und Ennstaler Alpen.

Locker und Gleitschneerutsche in den Donnersbacher Tauern. Foto: LWD
 
Lockerschneelawine vom Grabnerstein. Foto: Krenn

 

Alte Schwachschichten finden sich nur in schattseitigen Hochlagen in Form einer Schwimmschneeschicht am Boden, die je nach Höhenlage auch zusammengefroren sein kann. Eine Auslösung der zumeist schon mächtigeren Schneeschicht darüber ist vorwiegend nur über eine große Zusatzbelastung möglich.

Gute Sprengerfolge in einem Schigebiet in den Niederen Tauern. Foto: LK

Erkundung in den Niederen Tauern Nord

Erstellt am 26. Dezember 2019

Die heutige Erkundungstour auf den in den Niederen Tauern Nord gelegenen Krahbergzinken zeigte die vorherrschenden Verhältnisse recht eindrücklich. In Bereichen, wo der zum Teil recht stürmische Wind nicht durchgriff, überwog staubtrockener, lockerer Pulverschnee.

Traumhafter Pulverschnee in geschützten Bereichen. Foto: LWD Stmk

In windabgewandten Leehängen sammelten sich hingegen zum Teil recht mächtige Triebschneepakete, die während der Schneefälle seit dem vorangegangenen Wochenende gebildet wurden. Deren Verbindung war zunächst sehr störanfällig, wie beispielsweise auch eine Schneebrettauslösung am Pleschnitzzinken zeigte, bei der ein teilverschütteter Tourengeher stundenlang in einer Lawine gefangen war und erst von den eintreffenden Suchmannschaften befreit werden konnte.

Schneeprofil-Erstellung in einem eingewehten Leehang des Krahbergzinkens. Foto: LWD Stmk

Die gesammelten Eindrücke an unserem Profilstandort, wie auch die eingegangen Rückmeldungen unserer Melder zeigten einhellig, dass die Störanfälligkeit der Triebschneebereiche bereits etwas nachgelassen hat. Dass es dennoch Gefahrenstellen gibt, wo der Triebschnee zur Auslösung gebracht werden kann, sieht man beispielsweise auch anhand einer spontanen Schneebrett-Entladung der extrem steilen Gipfelrinne des Krahbergzinkens. Dabei handelt es sich um jene Rinne, in der vor ziemlich genau zwei Jahren (31.12.2016) eine Person bei einem Lawinenunfall verstarb.

Spontanes Schneebrett unmittelbar unterhalb des Krahbergzinken-Gipfels. Foto: LWD Stmk.

Triebschnee zu Weihnachten

Erstellt am 24. Dezember 2019

Heuer beschert uns das Christkind frischen Triebschnee, der schon am Dienstag, 24.12., zu mindestens zwei Lawinenabgängen (ohne Personenschaden) geführt hat.

Am Bösenstein (Niedere Tauern) löste sich am Dienstag allem Anschein nach spontan eine Schneebrettlawine (Größe 2) östlich der Roten Rinne. Am Krahbergzinken (ebenfalls Niedere Tauern) löste ein Skifahrer eine Schneebrettlawine aus. In beiden Fällen handelt es sich um mit Triebschnee beladene Osthänge.  

 

Schneebrettlawine im Bereich der Roten Rinne am Bösenstein (Niedere Tauern). Foto: LWD Stmk.

Schneedeckenaufbau nahe der Lawine Rote Rinne. Foto: LWD Stmk.

 

Morgen, Mittwoch, steigt die Gefahr durch frischen Triebschnee stark an!  


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