Lawinenwarndienst Steiermark

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Schneedeckenuntersuchung Seetaler Alpen

Erstellt am 25. Februar 2016

Im Rahmen einer Einsatzübung der Alpinen Einsatzgruppe Murtal/Murau wurde vom Lawinenwarndienst Steiermark und der Alpinpolizei eine Geländeerkundung und Schneedeckenuntersuchung an der Westseite des Zirbitzkogel durchgeführt.

 

Die Profis der alpinen Einsatzgruppe in Aktion bei einer sehr anspruchsvollen Lawinenübung. Übungsannahme: 8 Verschüttete, 9 Einsatzkräfte.

 

Die Schneeverhältnisse in den Seetaler Alpen sind derzeit bescheiden: Die Hänge und Rücken sind großteils völlig abgeblasen, aber in östlich und südlich exponierten Hängen und in Rinnen und Mulden finden sich kleinräumige, aber teils beachtlich mächtige Triebschneeansammlungen.

 

Die Schneeverhältnisse an der Westseite des Zirbitzkogels (Blick Richtung SW): Großteils abgeweht, nur in Rinnen und Mulden kleinräumige Triebschneeansammlungen.

Die an einem nordwestlich exponiertem Hang durchgeführte Schneedeckenuntersuchung (siehe Schneeprofil in der Abbildung unten) zeigte eine großteils kompakte Schneedecke, bestehend aus sehr kleinen, runden Kristallen (Endstadium der abbauenden Schneeumwandlung), einigen Schmelzharschkrusten und Eislamellen und einer sehr weichen Schicht aus großen, kantigen Kristallen in Bodennähe (beginnende Schwimmschneebildung). Der erweiterte Kompressionstest ergab einen Bruch dieser Schicht bei mäßiger Belastung (ECTP14).

Wegen der sehr festen Schneetafel wäre an der Stelle des Schneeprofils keine Lawinenauslösung möglich gewesen. Vorsicht ist allerdings an den Übergängen von Bereichen mit wenig Schnee zu viel Schnee geboten. Dort findet sich einerseits eine stärker ausgeprägte Schwimmschneeschicht, die als leicht störbare Schwachschicht zur Verfügung steht und andererseits eine dünnere darauf liegende Schneetafel, welche die Initiierung eines Bruchs durch Belastung von oben zulässt. Ein derartiger Initialbruch breitet sich meist in Bereiche mit größerer Schneemächtigkeit aus und führt dann unweigerlich zu einer Schneebrettlawine. Es besteht also durchaus ein latentes Altschneeproblem.

 

Schneedeckenaufbau NW-seitig: Beginnende Schwimmschneebildung in Bodennähe, sehr kompakte Schneetafel darüber, einige Eislamellen und Schmelzharschkrusten.