Lawinenwarndienst Steiermark

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Triebschnee in untypischen Expositionen

Erstellt am 24. Februar 2018

Von Dienstag bis Freitag sind in den steirischen Bergen bis zu 50 cm Neuschnee gefallen. Der Niederschlagsschwerpunkt lag im Bereich der Koralpe, aber auch die östlichen Niederen Tauern, die Nordalpen Ost und das östliche Randgebirge haben einigen Neuschnee abbekommen. Der kalte Schnee ist zunächst ohne Wind gefallen und wurde dann seit Donnerstag durch mäßigen bis lebhaften Ostwind kammnah in westlich exponierten Hängen abgelagert. Am Samstag hat der Wind auf Nord gedreht, wodurch nun auch die Südexpositionen mit Triebschnee beladen werden.

Das Schneedeckenfundament ist insbesondere in Bereichen mit relativ geringer Schneemächtigkeit von störanfälligen Schwachschichten zwischen Harschkrusten durchsetzt. Dort wo der frische Triebschnee auf solchen Schwachschichten zu liegen kommt, können derzeit sehr leicht Schneebrettlawinen ausgelöst werden. Die Gefahrenstellen finden sich vornehmlich kammnah direkt über der Waldgrenze in westlich und südlich exponierten Hängen.

Ein Beispiel ist eine vermutlich spontan am Donnerstag abgegangene  Schneebrettlawine der Größe 3 im Westhang direkt unter dem Gipfel des Moschkogel im Koralmgebiet.

Vermutlich am Donnerstag (22.2.) spontan abgegangene Schneebrettlawine am Westhang des Moschkogel.

Auch in den Seckauer Tauern wurde am Samstag auf etwa 1900m ein kritischer Schneedeckenaufbau vorgefunden und Gefahrenzeichen wie Wumm-Geräusche wahrgenommen. Direkt unterhalb eines Nord-Süd verlaufenden Kammes hat sich westseitig etwa 40cm spröder Triebschnee auf einer dünnen Harschkruste abgelagert. Direkt darunter findet sich eine störanfällige Schwachschicht aus kantigen, rieselfreudigen Kristallen. Auch tiefer im Schneedeckenfundament finden sich jede Menge potentielle Schwachschichten bis hin zu Schwimmschnee direkt über dem Erdboden. Das entsprechende Schneeprofil ist hier im LAWIS System zu finden.

Schneeprofil westseitig am Rosenkogel (Samstag, 24.2.)

Zusammenfassend können derzeit besonders die Bereiche knapp über der Waldgrenze, wo frischer Triebschnee auf einer relativ geringmächtigen Altschneedecke abgelagert wurde als kritisch bezeichnet werden. Das ist vor allem kammnah in westlich und seit Samstag zunehmend auch südlich ausgerichteten Hängen der Fall. Während sich Schwachschichten innerhalb der frischen Triebschneeauflage bereits großteils abgebaut haben, wird sich die nun wesentliche Schwachschicht aufgrund ihrer Kristallstruktur nicht so schnell stabilisieren. Lokal muss also auch in nächster Zeit mit kritischen Gefahrenstellen gerechnet werden.

Unter der Waldgrenze findet man allerdings vor allem nordseitig sicher noch einige Tage lang traumhaften Pulverschnee smile