Lawinenwarndienst Steiermark

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Triebschnee sorgte für zahlreiche Schneebrettlawinen

Erstellt am 6. März 2016

Starker Wind und der Neuschnee der letzten Tage führten von Dienstag bis Samstag zu einem intensiven Lawinenzyklus. Viel Glück war im Spiel, dass dabei niemand ernsthaft verletzt wurde.

Die meteorologischen Daten der Messstation am Großen Schober veranschaulichen die Situation:

Verlauf der Windgeschwindigkeit und -richtung (oben), Temperatur (Mitte), und Schneehöhe (unten) am großen Schober in den Niederen Tauern (Quelle: LWD Steiermark, ÖBB).

 

Am Montag, dem 29.2., gab es die ersten Schneefälle (ca. 10 cm), die in der Nacht auf Dienstag durch stürmischen Nordwestwind in den Südostsektor verfrachtet wurden. Trotz geringer Neuschneesumme kam es kurzzeitig zu einer kritischen Triebschneesituation, die etwa am Sauofen in den Schladminger Tauern zu einer Schneebrettlawine mit 2 Teilverschütteten führte.

Am Mittwoch, dem 2.3., konnte sich die Schneedecke durch eine kurzzeitige Erwärmung relativ gut setzen, bevor in der Nacht zu Donnerstag wieder Schneefälle und starker Nordwestwind einsetzten. In Folge kam es am Stuhleck im östlichen Steirischen Randgebirge (3.3., Schneebrett im Steinkorb) und am Mölbegg in den Rottenmanner Tauern (4.3., Wechtenbruch) zu Lawinen an südöstlich exponierten Hängen, bei denen glücklicherweise niemand verschüttet wurde.

Schneebrett mir Anriss knapp unter dem Gipfelbereich des Stuhleck im Steinkorb (Quelle: AEG Hochsteiermark).

 

Der kritischste Teil dieses Lawinenzyklus begann am Nachmittag des 4.4. (Freitag), als die Strömung auf Südwest drehte ein Föhnsturm  mit Windgeschwindigkeiten über 100 km/h (z.B. 120 km/h auf der Hohen Ranach) den frischen Schnee in nördliche und östliche Expositionen transportierte, was zu äußerst auslösefreudigen Triebschneeansammlungen  bis hinab in bewaldete Bereiche führte.  Am Samstag dauerte der Föhnsturm weiter an und es kam zu zahlreichen Schneebrettlawinen in nördlichen und östlichen Expositionen, etwa auf der Hohen Ranach in den Seetaler Alpen, am Triebenkogel in den Rottenmanner Tauern, sowie am Lämmertörlkopf und Steineck, beide in den Wölzer Tauern.  Eine Schneedeckenuntersuchung unmittelbar am Anrissbereich eines Schneebretts am Triebenkogel zeigte, dass die Schneedecke in einem Hangbereich mit etwa 40 Grad Neigung innerhalb der frischen Schneeauflage in einer lockeren Schicht, die in einer Windpause entstanden ist, gebrochen ist. Diese Schwachschicht wurde durch eine festere, gebundene Triebschneeschicht überdeckt, womit alle Zutaten für eine Schneebrettlawine gegeben waren. Eine geringe Zusatzbelastung reichte aus, um an diesem Hang eine Schneebrettlawine auszulösen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit war eine sehr ähnliche Schwachschicht auch Ursache der weiteren Lawinen dieses Tages.

Der Föhnsturm am Samstag wirkte nicht nur an den sonst üblichen exponierten hohen Lagen, sondern, wie hier am Triebenkogel, bis in bewaldete Bereiche hinein (Quelle: LWD Steiermark).

 

Anriss und Ablagerung eines kleinen Schneebretts am Triebenkogel (Quelle: LWD Steiermark).

 

Seinen „zweiten Geburtstag“ durfte am Samstag ein Tourengeher am Lämmertörlkopf feiern. Er wurde von einer selbst ausgelösten Lawine total verschüttet, konnte aber durch die sehr professionelle Hilfe seiner gut ausgerüsteten Kameraden und eines zufällig vorbeikommenden Bergrettungsmitgliedes schnell und unverletzt geborgen werden.

Schneebrettlawine am Lämmertörlkopf (Quelle: Kerschbaumer).