Lawinenwarndienst Steiermark

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Turbulentes Wetter, Anstieg der Lawinengefahr, ausgeprägtes Trieb- und Gleitschneeproblem

Erstellt am 13. November 2019

Ausgehend von einem Mittelmeertief und der Zufuhr kalter Luftmassen aus Norden setzten auf den steirischen Bergen seit gestern Dienstag (12.11.) stellenweise ergiebige Schneefälle ein. Stationsdaten und die Analysekarte zeigen Neuschneemengen von bis zu 50cm in den letzten 24 Stunden (Stand 13:00 Uhr MEZ). Betroffen sind speziell die Gebirgsgruppen der Nordalpen über die Niederen Tauern bis hin zu den Gurk- und Seetaler Alpen.

Neuschneesumme von 12.11. 13:00 Uhr bis 13.11. 13:00 Uhr MEZ. Quelle: ZAMG/SNOWGRID

 

Temperatur- und Neuschneeverlauf der letzten Tage an der Station Galsterberg in 1700m Sh. in den nördlichen Niederen Tauern. Quelle: LWD

 

Die Schneedecke misst auf den Bergen speziell im Westen (Gurktaler Alpen, Niedere Tauern, Westliche und Mittlere Nordalpen) bereits über einen Meter.

Gesamtschneehöhe in der Steiermark vom 13.11. 12:00 Uhr MEZ. Quelle: ZAMG/SNOWGRID

 

Der massive Wintereinbruch anhand von Webcamaufnahmen am Loser (oben) und in der Ramsau am Dachstein. Quelle: bergfex.at

Auch in den kommenden Tagen steht uns ein turbulenter Wetterverlauf bevor. In der Nacht auf Donnerstag (14.11.) lassen die Niederschläge überall nach, tagsüber bleibt es weitgehend niederschlagsfrei, speziell im Nordwesten herrschen überwiegend freundliche Verhältnisse. Mit stetig zunehmendem Südwestwind steigen auch die Temperaturen auf den Bergen an. Am Freitag tobt auf den Bergen stürmischer Südföhn, bei einer Schneefallgrenze um 2000m setzt in der zweiten Tageshälfte erneut stellenweise ergiebiger Niederschlag ein.

Ein ausgeprägtes Tiefdrucksystem sorgt für Sturm (Südföhn) und weitere Niederschläge am Wochenende. Quelle: ZAMG
Prognostizierter Föhnsturm am Freitag in 1500m Sh. Quelle: ZAMG

Anstieg der Lawinengefahr, ausgeprägtes Trieb- und Gleitschneeproblem auf den Bergen

Auf den Bergen existieren bereits einige potentielle Gefahrenstellen für Lawinenauslösungen! Zum einen bilden sich mit zunehmendem Südwestwind bzw. Südföhn speziell in den hochgelegenen Nordsektoren und in frisch eingewehten Rinnen Triebschneebereiche, die durch geringe Zusatzbelastung von Wintersportlern als Schneebrettlawinen ausgelöst werden können. Darüber hinaus sorgt der darauffolgende Wärmeimpuls für die Möglichkeit von spontanen Entladungen und Böschungsrutschen.

Weiters steigt die Gefahr von spontanen Rutschen und Gleitschneelawinen aus steilem Gelände (speziell warm eingeschneite Grashänge) an, wobei der Regeneintrag in weiterer Folge (ab Freitag) zu einer Zunahme der Gleit- und Nassschneeaktivität führen wird.

Für Angaben zu einem detaillierteren Schneedeckenaufbau fehlen noch umfangreichere Rückmeldungen aus dem Gelände. Als Schwachschichten existieren neben überdeckten, älteren Reifschichten (vom 09.  - 10.11.) vor allem Neuschneeschichten unterschiedlicher Härte, auf denen sich gebundener Triebschnee ablagert. In Bereichen, in denen der apere Boden eingeschneit wurde, kann in weiterer Folge ein bodennaher Schmierfilm entstehen. Regeneintrag führt in allen Lagen zu einer Destabilisierung der Schneedecke.

Bei Unternehmungen im Gelände ist trotz spätherbstlicher Jahreszeit somit Erfahrung in der Beurteilung der Lawinengefahr unbedingt notwendig!

Gefahrenzeichen, die auf Schneebrettauslösungen hindeuten, sind so wie hier in den Gurk- und Seetaler Alpen am 11.11. bereits verbreitet vorhanden. Quelle: Pilz