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Wintereinbruch Mitte April

Erstellt am 16. April 2021

Eine markante Kaltfront, die am Montag (12.04.) von Nordwesten über die Steiermark zog, führte zu einem Wintereinbruch und für diese Jahreszeit zu stellenweise beachtlichen Neuschneemengen bis in viele Tallagen. Auf den Bergen fiel bis Mittwoch in den Hotspots (Eisenerzer Alpen, Ennstaler Alpen) bis zu ein knapper Meter Neuschnee. Bei anhaltend tief winterlichen Temperaturen stieg die Lawinengefahr speziell in den Regionen, wo stürmischer Nordwestwind dabei war, kurzzeitig deutlich an. Abseits der Gefahrenstellen konnte man noch einmal tolle Pulverschneeabfahrten genießen.

Der Kaltlufteinbruch (rot markiert) anschaulich dargestellt anhand der Daten der Station "Eisenerzer Ramsau". Besonders beachtlich die Schneehöhenzunahme im weiteren Verlauf am Pegel in 1018m Seehöhe. Quelle: LWD/Lawis
Neuschneesummen zwischen 12.04. und 14.04, Quelle: ZAMG/Snowgrid

 

Der lockere und kalte Neuschnee lagerte sich auf eine kompakte und stabile Altschneedecke bzw. auf bereits aperem Untergrund ab. Triebschneebereiche bildeten sich in höheren Lagen vor allem hinter Geländekanten und in steilen Rinnen aus. Schwachschichten in Form von dünnen, weiche Einlagerungen existierten vorrangig innerhalb der Schneeauflage.

Die dünne Schwachschicht (gelber Pfeil) konnte in diesem Beispiel zwar nicht bei der Schichtprofilaufnahme aber beim darauffolgenden Stabilitätstest gefunden und gestört werden (rote Pfeile = Schneeauflage, grüne Pfeile = Altschneedecke). Quelle: LWD

Mit der im April bereits kräftigen Strahlung (direkt und diffus) konnte sich die Schneeauflage trotz weiterhin gedämpftem Temperaturniveau wieder zunehmend rasch setzten. In tieferen Lagen wurde der bereits apere, warme Boden eingeschneit. Durch den entstandenen Schmierfilm kann die Schneeauflage bei einer ausreichenden Mächtigkeit auf steilen Wiesenhängen ins Gleiten kommen.

Gleitschneeaktivitäten auf Wiesenböschungen, beobachtet von unserem Lawinenmelder Hermann Kain. Quelle: Kain Hermann

Tipp:

Einen Beitrag der ZAMG, ob solche Kaltlufteinbrüche mit Schnee zu dieser Jahreszeit etwas Außergewöhnliches sind, findet ihr hier!


Frühlingshafte bis frühsommerliche Wetterphase

Erstellt am 30. März 2021

Wir sind derzeit inmitten eines Hochdruckgebiets und somit wird unser Wetter von strahlendem Sonnenschein und überaus milden Temperaturen geprägt. Im Flachland werden die prognostizierten Maxima an der 25-Grad-Marke kratzen, die laut meteorologischer Definition einen Sommertag markiert. Aber auch an höher gelegenen Stationen spiegelt sich die derzeitige milde Wetterphase in den stark angestiegenen Temperaturen wider.

Links: Österreich liegt im Zentrum eines "Hochs", das westlich und östlich von Tiefdruckzonen flankiert wird (Omega-Lage). Rechts: Abgesichert mildes Wetter in den kommenden Tagen, in weiterer Folge zeichnet sich ein größerer Unsicherheitsbereich ab und die Modellläufe haben eine deutlich ausgeprägtere Schwankungsbreite. Vor allem die genaue Lage der erwarteten Kaltluftvorstöße wird entscheiden, ob es mild, durchschnittlich oder doch eher frisch weitergeht... (Quelle: ZAMG)

Dieses derzeit überaus milde Wetter wirkt sich auch auf die Lawinensituation aus, die somit im Rahmen von klassischen Frühjahrsbedingungen einem tageszeitlichen Anstieg unterliegt und dabei von einigen Faktoren und deren Zusammenspiel bestimmt wird.

Tagsüber ist es die Kombination aus steigenden Temperaturen und bereits intensiver Sonneneinstrahlung, die zu einem Festigkeitsverlust führt, die Schneedecke destabilisiert und die Nass- und zum Teil auch die Gleitschneesituation forciert.

Dem entgegen wirkt die Ausprägung eines Stabilitätsgewinns während der Nachtstunden, wobei sich neben dem Temperaturverlauf vor allem die Ausstrahlungsverhältnisse auf die Verfestigung der Schneedecke auswirken. In Strahlungsnächten ohne Wolkendecke ist dieser Prozess am effektivsten und die Schneedecke kühlt stark aus und kann somit ausgeprägte „Festigkeitsreserven“ ausbilden. Diese werden von der Tageserwärmung und Sonneneinstrahlung am darauffolgenden Tag wieder abgebaut – natürlich umso schneller und stärker, je geringer der Ausstrahlungseffekt in den vorangegangenen Nachtstunden wirken konnte.

Gut zu erkennen ist die gestiegene Luftemperatur (links oben) im Laufe der vorangegangenen Tage wie auch der schwankende Verlauf der Schneeoberflächentemperatur (links unten) - rot hinterlegt ist die milde Phase untertags, blau die kühleren Stunden wären der Nachthälfte. Derzeit sind wir im Rahmen des Hochdruckgebietes in einer windschwachen Phase (siehe Diagrammverlauf rechts oben). Rechts unten ist die abnehmende Schneehöhe am Pegel durch Schmelz- und Setzungsprozesse gut zu erkennen. (Quelle: LWD Steiermark)

Ein Hochdruckgebiet bringt in der Regel eben genau diese Neigung zur Wolkenarmut mit und somit ist der Festigkeitsgewinn stärker ausgeprägt, die Verhältnisse bei einer Skitour am nächsten Tag stark vom Zeitpunkt und auch von der gewählten Exposition abhängig. Daher sollten Touren in den mild-warmen Frühjahrszeiten nach Möglichkeit früh gestartet und rechtzeitig beendet werden, um so der gestiegenen Nassschneeproblematik aus dem Weg zu gehen.


Kalt-warm gabs während dieser turbulenten Woche!

Erstellt am 13. Februar 2021

Die abgelaufene Woche war von sehr wechselhaften Witterungsbedingungen mit den entsprechenden Auswirkungen auf den Schneedeckenaufbau geprägt.

Am Ende der Ersten Februarwoche wurde es ungewöhnlich warm, die Schneedecke wurde bis in die Hochlagen feucht und sonnseitig firnig. Zu Wochenbeginn kam es dann vor allem in den südlichen Gebirgsgruppen zu ergiebigeren Niederschlägen, wobei es anfangs bis auf knapp 2.000m hinauf regnete. Deutlich geringer fielen die Niederschläge alpennordseitig aus, allerdings fiel auch hier anfangs Regen oder feuchter Schnee. In der Folge kühlte es deutlich ab, zu Wochenmitte (10.02.) schneite es abermals auf eine inzwischen stark verharschte Schneedecke. Es folgte unter Zufuhr kontinentaler Arktikluft ein Temperatursturz von etwa 15 Grad im Gebirge. Dazu wehte stürmischer Nordwind, der nur am 12.02. vorübergehend abflaute und danach wieder stärker werdend auf Nordost bis Ost drehte.

Temperaturverlauf an der Station Dachstein. Hier urde am 13.02. mit -29,4 Grad der tiefste Wert Österreichs in diesem Winter gemessen
Windverhältnisse an der Station Dachstein. Quelle: LWD

Der ganze für die Triebschneebildung zur Verfügung stehende Schnee fiel eigentlich nur am 10.02. und das war meist nicht viel (mit Ausnahme im Bereich der neuschneereicheren Turrach). Bei äußerst niedrigen Temperaturen und böigem Wind aus dem Nordsektor wurde dieser Schnee mehrmals umgelagert, es entstanden viele, meist kleinräumige Triebschneefelder, bevorzugt im Südsektor sowie kammnah. Die Verbindung zum darunterliegenden Harschdeckel wurde dabei zunehmend schlechter (wärmerer Harschdeckel/kältere Triebschneeauflage).

Weiche Schneeschicht an der Verbindung Harschdeckel/Triebschneeauflage. Quelle: LWD

Inzwischen wurden einige Selbstauslösungen vorwiegend im südausgerichteten Gelände registriert. Trotz Sonnenscheins ist es einfach derzeit zu kalt und zu trocken, als sich die Schneedecke hier setzten kann. Die kalten Temperaturen konservieren einfach die vorherrschenden Lawinenprobleme (kalt auf warm als Schwachschicht).

Also Vorsicht, auch wenns so aussieht, dass durch das mehrtägige Schönwetter schon eine Entspannung eingetreten wäre!

Nicht zu vergessen sind auch die Altschneeprobleme im schattseitigen Gelände! Auch hier gibt es durch den konservierenden Temperatureinfluss wohl noch länger keine Entspannung!

 

Schneebretter am Plankogel. Quelle: LWD
 
Schneebretter am Plankogel. Quelle: LWD
 
Schneebrett an der Stuhleck S-Seite. Quelle: LWD
 
Von Schifahrer ausgelöstes Schneebrett in der Roten Rinne - Eisenerzer Reichenstein. Quelle: LWD
 
Wechten am Siebenbrunnerkogel-Hochschwab, im Südhang darunter weicher Triebschnee. Quelle: LWD

Ausgeprägtes Altschneeproblem in Kombination mit frischem Triebschnee

Erstellt am 31. Jänner 2021

Am Wochenende sorgte Triebschnee in Kombination mit einem schwachen Schneedeckenfundament in der Steiermark für viele von Skifahrern ausgelöste Schneebrettlawinen. Betroffen waren vor allem die Niederen Tauern, vereinzelt aber auch die Nordalpen.

Exemplarisch beschreiben wir hier eine Schneebrettlawine, die von einer Gruppe Tourengeher in den Seckauer Tauern am Samstag ausgelöst hat.

 

Überblick über die Lawine, die südseitig etwas über 1900m nahe des Schaunitztörls in den Seckauer Tauern ausgelöst wurde. Quelle: BMI/LWD

Unmittelbar im Anrissbereich wurde von der Alpinpolizei (AEG Murtal) und der Bergrettung (ÖBRD Knittelfeld) ein sehr lehrreiches Schneeprofil aufgenommen.

Bergrettung und Alpinpolizei bei der Schneedeckenuntersuchung direkt am Anriss. Quelle: AEG Murtal/ÖBRD Knittelfeld.
 
Quelle: AEG Murtal/ÖBRD Knittelfeld

Das Profil zeigt den gebundenen Triebschnee der vergangenen Tage auf einer weichen Harschkruste, unter der eine ausgeprägte Schwachschicht aus kantigen Kristallen liegt. Die Schneebrettlawine wurde höchstwahrscheinlich in einem Bereich mit weniger Schnee als im Profil abgebildet, also im Randbereich der Rinne ausgelöst.

Diese Schwachschicht ist derzeit in den steirischen Bergen über etwa 1800m verbreitet vorhanden. Das verharschte, stabile Fundament darunter (die untersten 45cm im Profil) haben wir der sonnseitigen Exposition zu verdanken. In höheren Lagen und schattseitig enthält auch das Fundament Schwachschichten und Schwimmschnee direkt über dem Boden, was den Schneedeckenaufbau zusätzlich schwächt. Weitere Schneeprofile und Beschreibungen von Lawinenereignissen des Wochenendes können unter „Aktuelles --> LAWIS“ auf der Homepage des Lawinenwarndienstes nachgelesen werden.

Wir haben es also mit einem ausgeprägten Altschneeproblem zu tun und dieses wird uns noch längere Zeit erhalten bleiben. Auch wenn in den nächsten Tagen die Erwärmung eine Entspannung der Situation bringen dürfte und die Schwachschichten nicht mehr so leicht störbar sein werden, wird es vermutlich für den Rest der Saison in den Einfahrten zu schattigen Rinnen und generell in den Hochlagen im Übergang von wenig zu viel Schnee Gefahrenstellen geben, die von außen nicht leicht zu erkennen sind und sich auch nicht durch die typischen Gefahrenzeichen ankündigen. Ab und zu ein kurzer Blick in die Schneedecke kann helfen diese Gefahrenstellen zu erkennen. 


Tödliches Lawinenunglück am Greim - Update

Erstellt am 31. Jänner 2021

Der tragische Unfall am Sandkogel ereignete sich, als zwei Tourengeher bei der Abfahrt Richtung Greimrinne queren wollten. Dabei löste sich eine große Schneebrettlawine (Anriss ca. 700m lang, Auslauf etwa 750m). Schneedeckenuntersuchungen im Nahebereich der Lawine zeigten ein ausgeprägtes Altschneeproblem, dass voraussichtlich die ganze Saison andauern wird.

 

Nahezu das gesamte Ostkar des Sandkogels ist abgegangen. Große Lawinen sind characteristisch für das Altschneeproblem, bei dem Schwachschichten oft großflächig im Schneedeckenfundament vorhanden sind. Quelle: BMI

 

Ein Schneeprofil im Nahebereich des Unfallhanges am 16.1. aufgenommen zeigt, dass weiche Schichten aus kantigen Kristallen das Schneedeckenfundament schwächen. Solche Schwachschichten sind oft großflächig vorhanden und können daher für große Lawinen verantwortlich sein. Quelle: LWD Stmk. 

 

Ein Blick in das LAWIS-System, in dem aktuelle Schneeprofile abrufbar sind und zahlreiche weitere Schneebrettlawinen seit dem 15.1. bestätigen diese Annahme.  


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