Lawinenwarndienst Steiermark

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Derzeitige nationale Situation...

Erstellt am 24. März 2020

Liebe Nutzer des Lawinenwarndiensts Steiermark, liebe Tourengeher!

Aufgrund der aktuellen Situation bitten wir euch, die von der Regierung gesetzten Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Corona-Virus zu befolgen und Verständnis zu zeigen: Jeder Unfall im Gelände ist eine unnötige Belastung unseres Gesundheitssystems und der Einsatzkräfte, welche in dieser Zeit mehr denn je gefordert sind.

Die Berge laufen euch nicht davon und der Schnee kommt wieder! #dahoambleibn

Der tägliche Lawinenlagebericht wird aber weiterhin zum Schutz von Infrastruktur und Siedlungsraum veröffentlicht.

Bleibt bitte daheim und unternehmt keine Skitouren in alpinem Gelände!

Lawinensituation zwischen 05. und 08.03.2020

Erstellt am 9. März 2020

Nach einem bisher recht ruhigen Winter mit österreichweit wenigen Lawinenereignissen kam es am Ende der ersten Märzwoche in der Steiermark zu mehreren Schneebrettauslösungen mit Personenbeteiligung, wobei der Höhepunkt der Unfälle am Sonntag, 08.03. registriert wurde. 

Grund dafür war einerseits der ungünstige Schneedeckenaufbau in dieser Zeit sowie andererseits der erste Tag mit perfekten Wetter- und (Pulver)-Schneebedingungen, der auf ein Wochenende fiel und dementsprechend viele Tourengeher in die Berge lockte.

 

Wettersituation:

Der März begann trüb mit unergiebigen Schneefällen in den Nordalpen und Niederen Tauern, immer  wieder erreichten in dieser Zeit atlantische Störungszonen die Obersteiermark. Dabei stellte sich eine Abfolge von Warm- und Kaltfronten ein, begleitet von einem permanenten Wechsel der Windrichtung zwischen Südwest und Nordwest. Die damit verbundenen Niederschläge waren jedoch nur wenig ergiebig, bis zu 25cm Neuschnee wurden etwa am 02.03. gemessen.

Vor Erreichen einer Warmfront eines Italientiefs klarte es in der Nacht von 04. auf 05.03. auf, im windgeschützten Gelände konnte sich dabei Oberflächenreif bilden. In der Nacht vom 05. auf 06.03. setzten dann Niederschläge ein, die bis zum Vormittag des 07.03. anhielten und von einem markanten Wind- und Temperatursprung begleitet wurden. Insgesamt fielen in diesem Zeitraum ca. 35cm Neuschnee bei zunehmend starkem Nordwestwind. Nach dem Abzug des Tiefs Richtung Balkanhalbinsel stellte sich am Sonntag, den 08.03. im Zuge eines Zwischenhochs eine kurze, sonnige Wetterphase ein.

 

Neuschneesummen zwichen 05. und 07.03.2020 (mit setzung). Quelle: ZAMG
 

Lawinenrelevante Schneesituation:

Für den ungünstigen Schneedeckenaufbau kamen daher zwei Wetterfaktoren in Betracht: Einerseits der Oberflächenreif und andererseits der Wind-/Temperaturwechsel während der letzten Niederschlagsphase.

Die Abbildung der Lawinenstation Lachtal zeigt, dass nach der Strahlungsnacht tagsüber bei steigenden Temperaturen mäßig starker, laminarer Südwestwind wehte und es sich zu Mittag von Süden her eintrübte. Die Frage ist daher, ob der Reif diese Phase großflächig überdauern konnte.

Beim darauffolgenden Niederschlagsereignis fiel der Schnee zu Beginn mäßig kalt bei etwa -3 Grad in 1.700m. Am 06.03. stieg die Lufttemperatur bis um Mittag über die Nullgradgrenze, der gleichzeitige  Windwechsels von Südwest auf Nordwest fand unter praktischer Windstille statt.  Bei rasch stärker werdendem Nordwestwind und sinkenden Temperaturen setzte dann weiterer Schneefall ein. Nach Niederschlagsende kam es am Samstag bei teils stürmischen Nordwestwind zu Schneeverfrachtungen bzw. zur Triebschneebildung.

 

Daten LWD- Lawinenstation Lachtal
 

Mehrere Schneeprofile zeigen, dass innerhalb der Neuschneeauflage eine weichere Schneeschicht mit größeren Kristallen eingelagert ist, die auf Schneefall bei windschwachen Verhältnissen und höheren Temperaturen entstanden sein muss. Mancherorts fand sich auch eine dünne Harschkruste im Neuschnee, die sich möglicherweise durch höherreichenden Regen gebildet hatte. 

 

Schneeprofil in 1.750m (Wölzer Tauern): Nicht durchgehender Bruch der ersten 30cm bei ECTP 15. Foto: LWD
 
Schneeprofil in 1.750m (Wölzer Tauern): Übergang zu filzigem „Neuschnee“ an der Block-Unterseite. Foto: LWD

Von den zwischen 06. und 08.03. in der Steiermark registrierten 15 Schneebrettlawinen waren 7 mit Personenbeteiligung. Bis auf einen Abgang wiesen alle Südexpositionen auf.

Beim Lawinenunglück auf der oberösterreichischen Seite des Dachsteins, bei dem 5 Schneeschuhgeher tödlich verunglückten, ging allerdings der nordseitige Hang unter der Randkluft ab. Zum genauen Unfallhergang laufen noch die polizeilichen Ermittlungen.


Turbulenter Wetterverlauf

Erstellt am 14. Februar 2020

In dieser Woche ist mit Schwerpunkt in den Nordstaulagen in mehreren Etappen immer wieder Neuschnee gefallen, was gut an den Schneepegeln nachvollzogen werden kann. Lawinenrelevant und bemerkenswert waren dabei nicht nur die zum Teil sehr hohen Windgeschwindigkeiten (auf der Eismauer im Hochschwabmassiv wurden am vergangenen Dienstag Spitzen um 185km/h registriert) sondern auch die mehrmaligen Richtungswechsel und die regional sehr unterschiedlichen Windverhältnisse.

Mehrmalige Schneezuwächse bei wechselnden Windverhältnissen. Quelle: LWD

 

Zum Teil sind die Gipfelbereiche hart geprsst oder abgeblasen. Foto: LWD
Vereiste oder windgepresste Oberflächen domieren oftmals die Gipfelbereiche. Foto: LWD

Dementsprechend inhomogen gestaltet sich derzeit auch die Qualität und Beschaffenheit der Schneedecke und die Verhältnisse variieren somit auf engstem Raum.

Der zum Teil starke Windeinfluss prägte die Oberflächen. Foto. LWD

 

Teilbrüche innerhalb der frischen Auflage als auch der Übergang zum Altschnee waren die relevanten Bereiche im Schneedeckenaufbau bei der Profilerhebung am Donnerstag. Foto: LWD

 

Für das kommende Wochenende kündigen sich frühlingshafte Temperaturen mit 2-stelligen Plusgraden in 2000m an. Die Triebschneeproblematik wird sich dabei im Zuge der Setzung entspannen, allerdings sind spontane Auslösungen aus dem Steilgelände möglich.


Regen, Sturm und Schnee Anfang Februar 2020

Erstellt am 8. Februar 2020

Der Witterungsverlauf der vergangenen Woche (01.-08.02.2020) gestaltete sich auf den Bergen der nördlichen Obersteiermark recht turbulent:

Bereits Ende Jänner hatte die Höhenströmung auf West bis Südwest gedreht und die Temperaturen stiegen im Gebirge kräftig an. Der Höhepunkt dieser äußerst milden Wetterphase wurde am 01.02. mit Temperaturen bis +7 Grad in 2.000m.

 

Lockerschneelawine aus der Huberrinne/Strechen. Foto: K. Hüttenbrenner

 

Die Schneedecke wurde während dieser Zeit stark angefeuchtet, mehrere Lockerschneelawinen waren die Folge. Aufgrund der eher unterdurchschnittlichen Schneehöhen waren die Auslaufbahnen aber nicht allzu lang. 

 

Wind- Temperatur- und Schneehöhenverlauf, Station Loser. Quelle: LAWIS_LWD Steiermark

 

Ab 02.02. setzte dann im Zuge einer Warmfront in der nördlichen Obersteiermark kräftiger Niederschlag ein, der bis über 2.000m in Form von Regen fiel und die Schneedecke duchfeuchtete. Es wurden vermehrt Nassschneelawinen registriert, die wegen der allgemein unterdurchschnittlichen Schneehöhen eher klein blieben.

 

Nassschneelawine am 02.02.2020 im Bereich Planneralm. Foto: A. Studeregger

 

Zum 03.02. sank die Schneefallgrenze im Zuge einer Kaltfront vorübergehend ab, ehe sie in der Nacht zum 04.02. mit einer weiteren Warmfront wieder auf über 2.000m anstieg. Abermals wurde die Schneedecke dabei recht nass.

Es folgt am 04.02. die Kaltfront des Sturmtiefs Petra, begleitet von teils orkanartigem, böigem Sturm schneite es entlang der Nordalpen und an der Nordseite der Tauern intensiv, die Niederschläge fielen bei Wintergewitter auch in Graupelform und hielten noch bis zum Vormittag des 06.02. an. Im Bereich der Niederen Tauern reichten die Schneeschauer auch weiter nach Süden. In den Hochlagen der westlichen Nordalpen (Dachsteingebiet, Totes Gebirge) fiel bis einschließlich 06.02. gut 1 Meter Neuschnee, in den restlichen Nordalpen bis etwa 70cm (hier fiel der Niederschlag auf den vergleichsweise niedrigeren Gipfel anfangs länger in Form von Regen). An der Tauern-Nordseite waren es ca. 50cm, an der Tauern-Südseite (Schladminger Tauern) ca. 30cm.

Im Zuge dieser kalten und nach längerer Zeit wieder schneereicheren Wetterphase wurden in den Hochlagen viele spontane Schneebrettlawinen registriert, mit Schwerpunkt  am 05.02. Auch bei den künstlich ausgelösten Lawinen zeigten sich meist gute Sprengerfolge. In den meisten Fällen gingen die Lawinen auf einer Eiskruste ab, die sich nach dem Regen vom 04.02. mit den rasch sinkenden Temperaturen gebildet hatte und mit der sich die kalte, windbedingt gebundene Neuschneeauflage zunehemnd schlecht verband („Warm-Kalt-Problem“).

 

Abgeblasene Schmelzeiskruste und Triebschnee nebeneinander, Dachsteingebiet. Foto: A.Podesser

 

Kleines Schneebrett im Dachsteingebiet, das auf der am 04.02.2020 gebildeten Eiskruste abging; Schwachschicht: kleine, kantige Kristalle. Foto: P.Sturm

 

Schneebrett am Festkogel, vermutlich am 04./05.2020 abgegangen. Foto: S.Krenn
 
Gute Sprengerfolge an der SE-Seite des Gjaidsteins (Schigebiet Dachstein). Foto: A.Podesser

 

Teilweise dienten auch weicher Schnee und Graupel als Schwachschichten, allerdings waren diese Einlagerungen recht inhomogen im Gelände verteilt.

Mit dem stürmischem Wind wurde  auch in tieferen Lagen Triebschnee abgelagert, allerdings besser verbunden auf einer durchfeuchteten Schneedecke ohne Eisdeckel.

 

Wie geht es jetzt weiter?

Nach dem Strumtief Petra und einer milden und windärmeren Wetterphase zwischen 07.02. und 09.02. gelangt der Ostalpenraum in den Einflußbereich einer stürmischen Westströmung. Ab 10.02. kündigt sich ein weiteres Sturmtief mit dem Namen „Ruth“ an. Gemäß den Wetterprognosen wird der Wind dabei Orkanstärke erreichen. Die Schneefallgrenze sinkt am 11.02. langsam talwärts, große Niederschlagsmengen werden bis dahin noch nicht prognostiziert, doch wird es die ganze kommende Woche insbesondere in den Nordstaugebieten immer wieder schneien, sodass doch einiges an Neuschnee zusammenkommen könnte.

 

Windgeschwindigkeiten für Montag, den 10.02.2020 im ca. 2.000m-Niveau. Quelle: AROME/ZAMG

Beginnende Nassschneeproblematik

Erstellt am 31. Jänner 2020

Eine Warmfront hat am Freitag Regen bis über 2100m Seehöhe und sehr milde Temperaturen ins steirische Bergland gebracht. Damit einhergehend beginnt der erste deutliche Nassschneezyklus der Saison.

Temperaturanstieg um 10°C  innerhalb eines Tages an der Station Sonnschienalm (1524m).

Regen sorgte für zusätzliche Durchnässung der Schneedecke.

Wie vorhergesagt hat diese Warmfront zu ersten Nassschneelawinen auf exponierte Verkehrswege geführt.

Nassschneelawine aus der Huberrinne (Strechen bei Oppenberg) bis an den Straßenrand (Quelle: LK Oppenberg).

 

Weitere Aussichten:

Der Samstag wird ausgesprochen mild, was die Nassschneeproblematik weiter ansteigen lässt. Vor allem sonnseitig ist bis in hohe Lagen hinauf mit Nassschneeaktivität zu rechen. Da diese Lawinen meist spontan abgehen, können sie exponierte Verkehrswege und Skitourenrouten jederzeit gefährden. Insbesondere Gräben in denen Schneemassen aus größeren Einzugsgebieten zusammenlaufen können sind gefährdet. Tourengehern kann man derzeit nur ein genaues Studium der Bereiche oberhalb ihrer geplanten Route und gegebenenfalls Verzicht oder Umplanung empfehlen. Ab Sonntag verschärft sich die Lage wegen neuerlichem Regen weiter.


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