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Phase intensiver Gleit- und Nassschneeaktivität und Frühjahrsbedingungen im Dezember

Erstellt am 26. Dezember 2023

Nach dem überaus stürmischen Wochenende mit großen Niederschlagsmengen hat sich die Schneedecke aufgrund der warmen Verhältnisse sehr schnell stabilisiert und ist bis in die Hochlagen kompakt und ohne nennenswerte Schwachschichten. 

Die Schneeverteilung ist derzeit sehr inhomogen. Neben großflächig aperen Bereichen finden sich große Schneemächtigkeiten in eingewehten Hängen und Hohlformen. Die gesamte Schneedecke ist bis in die Hochlagen für die Jahreszeit ungewöhnlich warm und teilweise feucht. Durch Ausstrahlung und Wind friert sie oberflächlich und wird unter Sonneneinwirkung tagsüber wieder weich. Kurz gesagt: fast Frühjahrsbedingungen Ende Dezember.

Die Lawinengefahr geht derzeit kaum von "Skifahrerlawinen" (also von durch Skifahrer/innen ausgelöste Schneebrettlawinen) aus, sondern von spontan abgehenden Gleitschnee- und Nassschneelawinen. Auch diese können für Bergsportler/innen gefährlich sein, allerdings nur, wenn sie zur falschen Zeit am falschen Ort sind. Gefahrenzeichen sind Schneemäuler, die auf eventuell bevorstehende Abgänge von Gleitschneelawinen hinweisen - in Bereichen darunter sollte man sich nur so kurz wie möglich aufhalten und keinesfalls längere Aufstiegswege nehmen. Zusätzlich steigt die Gefahr von Nass- und Gleitschneelawien im Laufe des Tages vor allem sonnseitig deutlich an.   

Die Weidtallawine (Nähe Vordernberg), abgegangen in der Nacht auf den 25.12.2023. Foto: LWD Stmk.

Besonders problematisch sind diese spontan abgehenden Lawinen, die durchaus große Ausmaße annehmen können, für die Sicherheit von exponierten Verkehrswegen oder Skipisten, was immer wieder zu Sperren führt. In den kommenden Tagen bleibt diese Problematik bestehen und erst am Wochenende kündigt sich mit einer deutlichen Abkühlung eine Änderung der Lawinengefahr an. 


Kurzer Rück- und Ausblick auf die Wetter- und Lawinensituation - ein turbulentes Weihnachtswochenende steht bevor!

Erstellt am 18. Dezember 2023

Kurzer Rückblick auf die Entwicklung der Wetter- und Lawinensituation der letzten Tage:

Eine Phase mit Westströmung zu Beginn der vergangenen Woche sorgte immer wieder für Niederschlag, der bis in höhere Lagen als Regen fiel. Mit allmählicher Drehung der Strömung auf Nordwest kühlte es zur Wochenmitte (13.12.) kontinuierlich ab, zudem sorgten eingelagerte Kaltfronten speziell in den Nordalpen und den Niederen Tauern für Neuschnee, in Summe fielen hier von 13. bis 16.12. etwa 20 bis 40cm wobei die Niederschlagintensität am 14. und 15.12. am stärksten war. Starker Nordwestwind sorgte für umfangreiche Verfrachtungen und größere Triebschneeablagerungen in den erweiterten Süd- und Ostexpositionen, oft bis zur Waldgrenze, die Lawinengefahr stieg an.

Die zuvor beschriebene Wetterentwicklung sowie der weitere Verlauf bis zum 18.12. anhand der Stationsdaten vom Loser sowie vom Kalteck. Quelle: Lawis

Mit Samstag, den 16.12. wurde es mit der oft noch stürmischen Westströmung in allen Höhenlagen deutlich milder, auch in den neuschneereichen Regionen lockerte es zumindest zeitweise auf. Die Triebschneesituation blieb aber in höheren Lagen bestehen, die Störanfälligkeit war oft durch auslösbare Schwachschichten innerhalb der Schneeauflage am größten.

Lawinenunfall in den Seckauer Tauern am Tagwart am 16.12.. Bei der Querung des Hanges wurde die mächtige "Triebschneelinse" ausgelöst, es wurde niemand mitgerissen und verletzt. Sehr gut zu erkennen ist hier die Windeinwirkung im Gelände: abgewehte, schneefreie Bereiche grenzen unmittelbar an mit abgelagertem Triebschnee befüllte Hangzonen. Quelle: Alpinpolizei 
Schneeprofile vom 17.12. in den Ennstaler Alpen auf 1700m, südexponiert. Eine Schwachschicht innerhalb der gebundenen Auflage konnte beim Stabilitätstest gestört werden. Quelle: LoLa/Lawis 

 

Seit Samstagnacht sorgte ein markant ausgeprägtes Azorenhoch ​bis in die Ostalpen für sonniges und extrem mildes Wetter mit Temperaturwerten bis zu +8 Grad in 2000m! Die Lawinensituation stellte sich um.  Gefahrenstellen in Form von Triebschnee wurden weniger und verlagerten sich in hohe bzw. abgeschattete Hangbereiche sowie in jene mit ausreichenden Kältereserven, bestehende Schwachschichten wurden  konserviert. In steilen Sonnseiten dominierten tagsüber zunehmend spontane Lockerschneelawinen, auch die Gleitschneeaktivität nahm nach kurzer Beruhigung wieder zu.

Lockerschneelawinen aus steilem, felsdurchsetztem Gelände im Dachsteingebiet am 17.12.. Quelle: BELLS/Laszlo

 

Gleitschneeaktivität im Bereich Gscheidegg in den Ennstaler Alpen am 17.12.. Quelle: SNOBS/Gottsbacher

 

Webcambilder der Lawinenkommission Veitsch vom 18.12., Blickrichtung Breitriegel. Oben die Aufnahme von 12:00 Uhr, unten von 16:00 Uhr. Der Gleitschneeriss (Bild oben) löste sich zwischen 15:00 und 16:00 Uhr. Deutlich auch zu erkennen sind die frischen Aufstiegsspuren im Bereich der Lawine. Quelle: LK Veitsch

 

Bis zum Dienstag bleibt die stabile Hochdruckphase bestehen, ab Mittwoch (20.12) kommen die steirischen Berge allmählich wieder in Einfluss kälterer und feuchter Luftmassen aus Nordwest. Die genaue Wetterentwicklung ist aus heutiger Sicht noch etwas unsicher, zum Weihnachtswochenende stehen die Zeichen aber eher auf eine sehr stürmische und im Nordstau auch schneereiche Wetterphase!

Die genaue Entwicklung ist noch unsicher, die aktuelle Prognose zeigt eine stürmische Wettrlage am Rande eines Tiefs über Fennoskandien für das Weihnachtswochenende (Bild 22.12. 12:00 Uhr). Quelle: Geosphere Austria 

 

ECMWF Neuschneeprognose für die Plannearlm (1580m), auch hier ist die Unsicherheit über die Mengen noch groß. Quelle: Snowgrid

Triebschnee in den Hochlagen und weiterhin Gleitschneeaktivität

Erstellt am 14. Dezember 2023

Mit den anhaltenden Schneefällen hat sich in den Hochlagen frischer Triebschnee gebildet, der mit der Seehöhe an Störanfälligkeit zunimmt. Mit dem stürmischen Nordwestwind haben sich teils mächtige Triebschneeablagerungen besonders in den erweiterten Süd- und Ostexpositionen gebildet. In den Einfahrtsbereichen von Rinnen und Mulden sowie hinter Geländekanten kann bereits bei geringer Zusatzbelastung ein Schneebrett ausgelöst werden! Daher herrscht in der Obersteiermark über der Waldgrenze erhebliche Lawinengefahr!

In mittleren und tiefen Lagen hat es die letzten Tage häufig eher geregnet als geschneit wodurch die Schneedecke vermehrt feucht bzw. nass wurde. Dies begünstigte die Aktivitäten von Gleitschneelawinen. Aus sehr steilen Hängen mit Rasenflächen oder glattem Fels ist bei ausreichend mächtiger Schneedecke daher mit Gleitschneelawinen zu rechnen. Außerdem sollen Bereich unter geöffneten Schneemäulern gemieden werden, denn man kann einfach nicht einschätzen wann die Gleitschneelawine abrutschen wird.

Gleitschneelawine und ein geöffnete Schneemaul am 13.12. im Nordhang der Hochhaide. (Quelle: Robert Tadler)
Es kann auch vorkommen, dass eine präparierte Piste als Gleitschneelawine abrutscht. - wie in diesem Fall auf der Hochwurzen im Klemmer-Steilhang. (Quelle: Patrick Laszlo, 14.12.2023)

Turbulentes Wetter mit viel Neuschnee - markanter Anstieg der Lawinengefahr am Wochenende!

Erstellt am 30. November 2023

Am Wochenende sorgt ein ausgeprägtes Adriatief und kalte Luftmassen aus Norden für massiven Neuschneezuwachs auf den Bergen! Es wird eine heikle Lawinenphase erwartet!

Kurze Analyse der vorherrschenden Situation

Die Neu- bzw. Triebschneeauflage, die im Rahmen der ausgiebigen Schneefälle um das vergangene Wochenende (24. - 26.11.) in den Nordalpen und den Niederen Tauern entstand, konnte sich zunehmend setzten, Schwachschichten in der Auflage konnten sich abbauen. Im Übergang zur Altschneedecke bzw. unter der Kruste, die in vielen Regionen bis in hohe Lagen existiert, ist jedoch weiterhin eine störanfällige Schicht aus kantigen Kristallen zu finden. Diese Schwachschicht muss in Bezug auf die erwarteten Neuschneemengen im Auge behalten werden.

Weiters wurden ab 28.11. Gleitschneeabgänge bzw. vermehrte Bildung von Gleitschneemäulern aus steilen Hängen registriert.

In den noch wenig vorhandenen Schneedeckenanalysen der vergangenen Tage ist überall eine ähnliche Schwachschicht (die beim Stabilitätstest angesprochen wurde) unterhalb einer Kruste vorhanden. Quelle: Lawis
Viel Neuschnee am Wochenende

Mit einem Adriatief kündigen sich aus heutiger Sicht (30.11. 12:00 Uhr) ab Freitagnachmittag ergiebige Niederschläge an, die den gesamten Samstag anhalten. Der Schwerpunkt liegt dabei in den Gurk- und Seetaler Alpen, den Niederen Tauern bis in die westlichen Nordalpen. Hier werden bis Sonntag Früh zwischen 50 und 100cm Neuschnee erwartet, stellenweise kann es auf den Bergen auch deutlich mehr werden. Am Sonntag klinge die Niederschläge allmählich ab.

Noch etwas unsicher ist dabei der Verlauf der Schneefallgrenze. Diese dürfte am Freitag anfangs zwischen ca.2000m (südlichen Regionen) und 1500m (nördliche Regionen) liegen, aber bereits im Tagesverlauf kontinuierlich absinken und am Samstag verbreitet in Tallagen liegen. 

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Windeinwirkung. Aus heutiger Sicht ist der Wind aus westlichen Richtungen vorerst nur mäßig stark und legt erst in der Nacht auf Sontag mit der Drehung auf Nordwest ordentlich zu, womit der Neuschnee verbreitet verfrachtet und als Triebschnee abgelagert wird.

Sicher ist ein deutlicher Anstieg der Lawinengefahr am Wochenende, Aktivitäten im freien Gelände sind durch die Lawinen- und Wetterbedingungen mit großem Risiko behaftet.

Prognostizierte Neuschneemengen von Donnerstag 07:00 Uhr bis Sonntag 07.00 Uhr. (Quelle: GeoSphere Austria)
 
Der Verlauf der Schneefallgrenze ist noch etwas unsicher. In der Abbildung ist als Beispiel die Entwicklung in 1650m im Bereich der Turracher Höhe dargestellt. Demnach fällt hier der erste Niederschlag noch als Regen (oben. grüne Balken), die Schneefallgrenze liegt bei knapp 2000m (unten, grüne Linie). Erst im Laufe des Freitags setzt ergiebiger Schneefall ein. (Quelle: GeoSphere Austria)

Mach mit und werde Teil der Lawinenwarnung!

Erstellt am 28. November 2023

Aktuelle Informationen direkt aus dem Gelände sind nach wie vor unverzichtbar, um ein möglichst detailliertes Bild der aktuellen Situation zu bekommen. Um mehr Rückmeldungen von der Öffentlichkeit in geordneter Weise und somit effizienter verarbeiten zu können wurde SNOBS (Snow Observation) entwickelt. Ab sofort können mit der App SNOBS Rückmeldungen direkt aus dem Gelände dem Lawinenwarndienst sowie allen Benutzerinnen zu Verfügung gestellt werden.

Mach mit und leiste deinen Beitrag zur Lawinenwarnung!

www.snobs.live

SNOBS kann sowohl auf mobilen Endgeräten als auch am Desktop (PC) bedient werden. Quelle: LO.LA 

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